Die Edikte des König Asoka

König Asoka gilt als einer der größten Herrscher der indischen Antike und als erster indischer Herrscher, der hohe ethische Standards hinsichtlich des sozialen Verhaltens und der Politik festlegte und förderte.
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König Asoka war ein Herrscher der altindischen Dynastie der Maurya. Er regierte von 268 bis 232 v. Chr. und war ein Enkel des Dynastiegründers Chandragupta Maurya. Sein Reich war größer als das heutige Indien. Historisch gilt Ashoka als einer der größten Herrscher der indischen Antike und als erster indischer Herrscher, der ethische Anliegen in die Politik einbrachte und hohe ethische Standards hinsichtlich des sozialen Verhaltens förderte und festlegte.

Er schuf damit das erste aus der Geschichte bekannte Staatswesen, in dem Gewaltverzicht und soziale Wohlfahrt die tragenden Säulen einer gerechten Politik darstellen. König Asoka findet im Artikel „Our Cycle and the next” von H. P. Blavatsky u. a. Erwähnung wie folgt:

Also, wenn wir im zukünftigen Zyklus das bekommen, was wir bereits hatten, dann lass es so werden, wie es zu den Tagen des Asoka war und nicht so wie es jetzt ist. (Mai 1889)

Aufgrund dessen folgt nun ein kleiner Einblick in die besagte Ethik, in Form mehrerer königlicher Edikte, dabei übersetze ich das am Ende das Artikel als Quelle angegebene Vorlagenwerk nur sehr stark zusammengefasst. Eines wird aber deutlich, Asoka war vor fast 2.500 Jahren um Lichtjahre ethischer, als unsere heutige westliche so "hochzivilisierte" Gesellschaft, von der Politik ganz zu schweigen.

Dhamma sadhu, kiyam cu dhamme ti? Apasinave, bahu kayane, daya, dane, sace, socaye.
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Dhamma [oder heute Dahrma] ist gut, aber was ist Dhamma? (Es enthält) wenig böses, sehr viel Gutes, Freundlichkeit, Güte, Wahrhaftigkeit und Reinheit.

Dharma ist ein zentraler Begriff, nicht nur in König Asokas Edikten, sondern auch im Hinduismus und Buddhismus, der religionsabhängig unterschiedliche Bedeutungen hat und ganz allgemein für Gesetz, Recht und Sitte, für ethische bzw. moralische und religiöse Verpflichtungen steht, also in etwa, was man auch mit höchster Tugendhaftigkeit umschreiben könnte.

Aufgrund dessen, dass der König seine Edikte in Felsen oder öffentliche Steinsäulen meiseln ließ, sind sie uns zum Teil erhalten geblieben.


Die 14 Fels-Edikte

Der Geliebte-der-Götter-König, König Piyadasi, spricht dies:

  1. Hier werden weder Tiere geschlachtet noch Feste abgehalten, wenn es auch einige Feste gibt, die der König gut heißt.
  2. Es gibt eine medizinische Behandlung für Menschen und Tiere. Dort wo medizinische Kräuter nicht vorhanden waren, habe ich sie importiert oder gezüchtet. Zudem habe ich Brunnen gegraben und Bäume angelegt, zum Nutzen der Menschen und Tiere.
  3. Es werden alle fünf Jahre Gesandte zu Kontrollgängen unterwegs sein um Dhamma zu lehren und andere Geschäfte zu betreiben: Respekt für Vater und Mutter sind gut, Großzügigkeit für Freunde, Bekannte und Verwandte ist gut, Lebewesen nicht zu töten ist gut, Mäßigung bei den Ausgaben und Hilfestellung ist gut.
  4. Es wird ermutigt, diese praktischen Verhaltensregeln über die Generationen bis zum Ende der Zeit zu fördern bzw. zu befolgen. Das Leben von Dhamma und Tugend, wahrlich, ist dies die höchste Tat.
  5. Gutes zu tun ist schwierig, damit anzufangen noch schwieriger. Wer es vernachlässigt Gutes zu tun, wird Böses tun, wahrlich, es ist leicht Böses zu tun. Von mir ernannte Offiziere wurden zu allen [angrenzenden] Völkern und Religionen gesandt, zur Förderung des Dhamma und zum Wohlergehen und Glück aller. Das ist meine Aufgabe.
  6. Ich habe zwischenstaatliche Geschäfte initiiert und ein Berichtswesen, so dass ich zu jeder Zeit informiert bin, was in meinem Königreich vorgeht. Ich bin mit mir bei der Ausübung meiner Aufgabe – die Förderung des Wohlergehens aller Menschen – niemals zufrieden. Es gibt keine bessere Arbeit als eben diese, um Freude in diesen und den Himmel im nächsten Leben zu erreichen.
  7. Allen Menschen aller Religionen wünsche ich Selbstbeherrschung und Reinheit des Herzens. Mögen sie ihren Wünschen nachgehen, aber wenn die Selbstbeherrschung fehlt, die Reinheit des Herzens, Dankbarkeit und aktive Hingabe, kann eine solche nur Person nur Mittelmaß sein.
  8. Ich initiierte die Dhamma-Touren durch mein Reich, während derer ich Geschenke mache, den Heiligen, den Alten, den Gästen und um mit den Menschen im Land Dhamma zu diskutieren und wie es anwendbar ist.
  9. Mögen die Menschen ihre Zeremonien und Riten abhalten, aber dies wird keine Früchte tragen. Was Früchte tragen wird ist die Zeremonie des Dhamma und dazu gehören: das richtige Verhalten gegenüber Bediensteten und Mitarbeitern, Respekt für Lehrer, Zurückhaltung gegenüber Lebewesen und Großzügigkeit gegenüber Asketen und Brahmanen. Daher sollte ein Vater, ein Sohn, ein Bruder, ein Meister, ein Freund, ein Begleiter und sogar ein Nachbar sagen: „Das ist gut, das ist die Zeremonie, die durchgeführt werden sollte, dies [Dhamma] werde ich tun.“
  10. Rum und Ehre sind König Piyadasi nicht wichtig, solange seine Untertanen nicht Dhamma respektieren und praktizieren. Jegliche seiner Bemühungen für die Menschen dienen dafür, dass sie in der nächsten Welt gutes und nichts böses erleiden.
  11. Es gibt kein Geschenk, keine Bekanntschaft, keine Verwandtschaft und keine [soziale] Verteilung gleich Dhamma. Nutzen in dieser Welt und großen Verdienst in der nächsten, kann nur durch das Geschenk des Dhamma erreicht werden.
  12. Es sollte weder die eigene Religion gelobt noch eine andere verurteilt werden. Berechtigte Kritik sollte in einer milden Art und Weise erfolgen. Kontakt zwischen den Religionen ist gut. Zuhören und Respekt sind wichtig und der König wünscht, dass die Menschen auch in anderen Religionen gelehrt sind. Wer nun seine Religion verehrt, der sollte dies tun, indem er viel arbeitet.
  13. Der König bereut seine früheren Taten der Eroberung Kalingas mit so vielen Opfern. Nach dem kam seine Neigung zu Dhamma auf. Krieg schmerzt immer alle. Der König wünscht Gewaltlosigkeit, Zurückhaltung und Neutralität zwischen den Ländern. Nun erobert der König nur noch mit Dhamma in angrenzenden Ländern und es gibt große Freude, eine Freude, die nur Dhamma geben kann, aber auch diese Freude ist von geringer Bedeutung gegenüber der Frucht, die dadurch in der nächsten Welt erreicht wird.
  14. Der Geliebte-der-Götter-König, König Piyadasi hat dieses Edikt in Kürze geschrieben, es gibt sie auch in mittlerer und erweiterter Form, es ist viel geschrieben worden und ich möchte noch mehr geschrieben haben. Einige Themen sind immer und immer wieder wiederholt worden [hier weggelassen] aufgrund ihrer Süße, sodass die Menschen in Übereinstimmung damit handeln.

Kalinga-Fels Edikte

  1. Ich habe euch, Mahamatras von Tosali [Stadthalter], über viele tausende von Menschen gestellt, um ihre Zuneigung zu gewinnen und ich wünsche, dass alles in der richtigen Weise durchgeführt wird. Alle Menschen sind meine Kinder und ich wünsche mir für sie Glück und Wohlergehen in dieser und in der nächsten Welt. Es gab in der Vergangenheit viel Leid. Euer Ziel sollte sein, euch neutral zu verhalten und Dinge wie Neid, Wut, Grausamkeit, Hass, Gleichgültigkeit, Faulheit oder Müdigkeit sollten nicht passieren. Die Basis dies zu erreichen ist Liebe und Geduld. Diejenigen, die ihre Pflicht nicht erfüllen, werden nicht gefördert werden. Dieses Edikt wurde zu folgendem Zweck geschrieben: Das die Justizbeamten ihre Pflicht tun und die Menschen unter ihnen nicht Leiden müssen. Gesandte Inspekteure werden in regelmäßigen Abständen kontrollieren, ob nach meinen Anweisungen gehandelt wird.
  2. Es ist meine Absicht, dass die Menschen ohne Angst mir gegenüber leben, dass sie mir vertrauen und das ich ihnen im [etwaigen] Leid beistehen kann. Der König kann jenen vergeben, die [selbst auch anderen] vergeben können und er will sie ermutigen, Dhamma zu praktizieren, damit sie ihr Glück in dieser und der nächsten Welt erreichen. Dieses Edikt sollte regelmäßig öffentlich aber auch von Einzelpersonen angehört werden, siehe, so werden sie ihre Pflicht tun.

Minor-Fels Edikte

  1. Nicht nur die Großen, auch die Bescheidenen können den Himmel erreichen. Und diese Verkündigung hat sich zum Ziel gesetzt: Lasst beide, die Großen und Geringen eifriger werden. Diese Nachricht wurde während der Tour 256 mal gelehrt.
  2. Vater und Mutter sollten respektiert werden und die Ältesten, Freundlichkeit allen Lebewesen gegenüber sollte wichtig sein und die Wahrheit gesprochen werden. In dieser Hinsicht sollte das Dhamma gefördert werden. Ebenso sollte ein Lehrer von seinem Schüler mittels richtiger Umgangsformen geehrt werden. Dies sind alte Regeln, so sollte man handeln.
  3. Ehrwürdige Damen und Herren, sie wissen, dass mein Glaube an Herrn Buddha groß ist und das alles was er sprach gut gesprochen war und ich halte es für richtig, darüber zu unterrichten, wie das gute Dhamma lange [im Lande und unter den Menschen] anhält. Diese Schriften der Disziplin, des edlen Lebens, die kommenden Ängste, das Gedicht der stillen Sage, den Diskurs über das echte Leben, die Upatisa-Fragen und die Beratung von Rahula sind Dhamma-Texte von denen ich wünsche, dass sie alle Mönche und Nonnen ständig hören und erinnern, ebenso die Laienschüler.

Die sieben Säulen Edikte

  1. Glück in dieser und der nächsten Welt ist sehr schwierig ohne viel Liebe zu Dhamma, viel Selbstprüfung, viel Respekt, viel Angst (des Bösen) und viel Begeisterung. Aber durch meine Edikte wurde viel Gutes gewirkt und meine Offiziere dienen als Vorbilder.
  2. Dhamma ist gut, aber was ist Dhamma? (Es enthält) wenig Böses, sehr viel Gutes, Freundlichkeit, Güte, Wahrhaftigkeit und Reinheit. Dieses Edikt wurde 26 Jahre nach meiner Krönung geschrieben, um Dhamma lange zu erhalten und wer dem folgt, wird etwas Gutes tun.
  3. Die Menschen sehen vielmehr ihre guten aber nicht ihre schlechten Taten. Sie sollten vielmehr denken, dass diese oder jene Dinge zum Schlechten, zur Gewalt, zur Grausamkeit, Wut, Stolz, Eifersucht führen und das diese Dinge einen Menschen ruinieren. Zudem sollten sie sich damit befassen, was zum Glück in dieser und der nächsten Welt führt.
  4. Diese Provinz verwaltet ihr Rechtswesen und die Anhörungen unter den Rajjukas [Stadthalter einer anderen Provinz] selbstständig, so dass sie für das Wohl der Menschen und des Landes arbeiten. Und da sie sich Dhamma gewidmet haben, sollten sich daran erinnern, was Glück und was Leid verursacht und zum Guten wirken. Sie wurden von mir für das Wohlergehen des Landes und der Menschen ernannt. Es sollte gleiches Recht für alle gelten. Unter den Menschen wird durch die Dhamma-Praxis Selbstbeherrschung und Großzügigkeit wachsen.
  5. Es dürfen ohne Grund keine Tiere getötet werden [von denen die aufgezählt wurden] und keine Wälder abgebrannt werden. Zu bestimmten Zeiten ist auch Fisch geschützt und andere schmerzvolle Vorgänge an Tieren wie bspw. Kastration und Brandmarkung dürfen nicht durchgeführt werden.
  6. Ich haben viele Erlasse für das Wohlergehen und Glück der Menschen geschrieben, nun, wie kann das Wohl und Glück der Menschen gesichert werden? Ich gebe Acht auf meine Verwandten, und diejenigen die in der Nähe und Entfernung wohnen, so kann ich sie zum Glück führen. Ich habe alle Religionen mit verschiedenen Auszeichnungen geehrt. Aber ich halte es für am besten, mich mit den Menschen persönlich zu treffen.
  7. Die edlen Taten des Dhamma und die Praxis des Dhamma bestehen aus Freundlichkeit, Güte, Aufrichtigkeit, Reinheit, Sanftmut und Güte und der Förderung  dieser Eigenschaften unter den Menschen. Dieser Fortschritt unter den Menschen kann durch zwei Wege geschehen, durch Vorschriften und Überzeugung. Diese Edikte wurden in Stein gemeißelt, damit sie sich erhalten, so lange meine Söhne und Urenkel leben und der Mond am Himmel scheint, so dass sich die Menschen darin üben können, um das Glück in dieser, wie in der nächsten Welt zu erreichen.

Angelehnt an die freie Online-Publikation von Ven. S. Dhammik, Quelle


 

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