Theosopie der Geheimlehre v. H.P. Blavatsky: Eine Einführung - Teil 4

Ich möchte allen Interessierten mit dieser Reihe einen kurzen Einblick in die theosophischen Lehren vom Madame H.P. Blavatsky geben. in diesem Teil geht es um den Menschen.
Theosophie

Theosophie ist die Vereinigung von Religion, Philosophie und Wissenschaft zu einem ganzheiltichen und vernünftigen Weltbild auf Basis einer universellen Überlieferung.

Es macht nur Sinn hier weiterzulesen, wenn man bereits die ersten drei Teile gelesen hat, d.h. die Einleitung, und Teil 2: Kosmos und Teil 3: Menschheit.

Ein kleiner Einblick der menschlichen Konstitution in den theosophischen Lehren

Der Mensch wird ebenso siebenfach eingeteilt wie der Kosmos. Der Mensch ist der Mikrokosmos des Makrokosmos und es liegt sehr viel mehr philosophische Wahrheit in dieser Aussage, als man gemeinhin denkt, in jedem Fall, als wir uns vorstellen können.

Der Mensch besteht einfach gesagt aus einer unvergänglichen oberen Dreiheit und einer vergänglichen niederen Vierheit. Die obere Dreiheit ist das sich inkarnierende, unsterbliche und göttliche Wesen im Menschen, der wahre Mensch oder das höhere Selbst. Dieses höhere Prinzip, vereinfacht auch göttliche Seele, höheres Selbst oder göttliches Ego genannt, hat seinen Sitz im Herzen. Niemand ist jemals allein.

Die Grenze zwischen Unsterblichkeit und Sterblichkeit im Menschen bildet das "Ich", das irdische Ego. Es hat seinen Sitz im Gehirn. Es ist ein in sich zweifältiges Wesen, da es zum einen von seiner oberen Dreiheit geboren wurde, aber zugleich, als Angelpunkt zwischen der oberen Dreiheit und niederen Vierheit, auch mit der Materie vermischt ist. Das irdische Ego wurde zum Zweck der geistigen Entwicklung seines göttlichen Egos geboren, da sich das göttliche Ego nicht direkt auf dieser vergänglichen Ebene offenbaren kann. Der Körper, das niedrigste Prinzip, ist das Werkzeug des irdischen Egos, um auf dieser materiellen Ebene agieren zu können. Das göttliche Ego kann das irdische Ego nicht direkt führen, sondern immer nur indirekt, bspw. durch das Gewissen. Gewissensbisse kommen immer aus dem Herzen.

Das irdische Ego wird demnach von seinem höheren geistigen Prinzip beeinflusst, durch all die tugendhaften Eingebungen, aber auch, da es zweifältig ist, von seinen niederen mehr materiellen Prinzipien und dies äußerst sich durch untugendhafte Eingebungen. Da der Mensch ein Wesen mit einem freien Willen ist, so kann er solche Gedanken und Regungen auch selbst hervorrufen. Aber immer nur das Ich entscheidet, welchen inneren oder äußeren, höheren oder niederen Einflüssen es letztlich nachgeht, d. h. für das, was es letztlich tut oder lässt, ist es ganz allein verantwortlich.

Der Sinn des Lebens ist aus unserer Sicht, sich in den Dienst seines höheren Prinzips zu stellen und somit während eines tugendhaften Lebens Erfahrungen zu sammeln. Erfahrungen dienen dem höheren Prinzip, sich geistig weiterzuentwickeln. Jemanden direkt (durch die eigenen Hände nicht über Dritte) selbstlos (ohne irgendetwas dafür zu erwarten) zu helfen, ist das tugendhafteste was man tun kann, da es aber um Erfahrungen sammeln geht, ist in diesem Sinne auch bspw. ein Studium oder die tägliche Arbeit etwas tugendhaftes, gleich welche das ist, wenn sie nicht untugendhaft ist und man auch eine gewisse Befriedigung darin verspürt, sozusagen eine Gewissensfreude oder Sinn. Eine untugendhafte Erfahrung kann niemals in die Ebene die Ewigkeit übergehen, da nur das in diese Ebene eingehen kann, was dieser Ebene gleichwesentlich ist.

Das irdische Ego trägt aufgrund seiner Herkunft das Potenzial der Unsterblichkeit in sich. Ob nun ein Ich unsterblich wird oder nicht, entscheidet es selbst und zwar durch das Leben, welches es führt. Vermischt es sich Zeit seines Lebens aufgrund materieller, untugendhafter Gedanken und Handlungen, mehr mit der vergänglichen Materie, dann muss es nach dem körperlichen Tod mit der Materie vergehen. Vermischt es sich Zeit seines Lebens aufgrund eines geistigen, tugendhaften Lebens mehr mit seinem höheren, geistigen Prinzip, dann kann es nicht mehr vergehen und wird am Tage des körperlichen Todes in die höhere Ebene des Geistes übergehen können, um mit Hilfe seines höheren Prinzips selbst zu einem geistigen Wesen zu werden.

Die Unsterblichkeit der menschlichen Seele war nie ein Geheimnis. Von den Weisen Männern dieser Welt wurde sie immer gepredigt und eine jede Kultur glaubte an ein Leben nach dem Tod, gleich auf welcher kulturellen Stufe sie standen. Und es wurde immer offen gelehrt, wie man dieses Ziel verwirklicht, denn sie predigten gleichzeitig immer auch Enthaltsamkeit, Selbstlosigkeit, Barmherzigkeit, Nächstenliebe und all die anderen Tugenden, derer wir uns praktisch befleißigen sollten, sofern wir den Sinn des Lebens verwirklichen, eine geistige Entwicklung vollziehen und ein Leben in relativer Harmonie führen wollen.

Die Harmonie bezieht sich auf Karma, das Gesetz der ausgleichenden Gerechtigkeit. Es ist auch das Gesetz der Widervergeltung. Alles was man denkt, spricht oder tut wirkt auf den Verursacher zurück und Menschen, die die natürliche Harmonie stören, bspw. durch untugendhaftes Verhalten, werden mit entsprechenden Konsequenzen, d. h. psychische und physische Leiden, gezüchtigt. Dies bezieht sich in größeren Maßstab auch auf Gesellschaften. Die heute so grob unvernünftige, materialistische Gesellschaft wird weder ein langes Leben noch ein friedliches Ende haben.

Niemand aber sollte tugendhaft Leben, um in die Ewigkeit einzugehen! Das ist Egoismus und untugendhaft! Wir sollen mit einem möglichst wahrhaftigen Glauben leben, tugendhaft und Erfahrungen sammeln, um des Lebens Willens, d. h. weil wir der Natur bei ihrer (geistigen) Entwicklung helfen wollen.

Eine der wichtigsten Tugenden, die für eine geistige Entwicklung unabdingbar ist, ist die Enthaltsamkeit und zwar vor allem in dem Sinne, dass man den heiligen Schöpfungsakt nur vollzieht, wenn man damit eine Familie gründen oder erweitern möchte und in einem erweiterten Sinn die Enthaltsamkeit von jeglicher Untugend, bspw. Genussmittel, denn sie werden zum vernünftigen körperlichen Überleben nicht benötigt und sind, wie der Luxus, eine verachtenswürdige Verschwendungssucht, die Mutter Natur, die Seele der Welt und damit auch unsere eigene Seele schändet.

Damit schließt der sehr kurze Einblick in "Die Geheimlehre" von Madame Helena Petrovna Blavatsky und damit auch der kleine Einblick in die theosophischen Lehren. Nach diesen Lehren wird das kommende Wassermannzeitalter (ein Monat des platonischen Jahres und ein viel geistigeres Zeitalter als das der Fische) in das wir im Augenblick übergehen und das die kommenden ca. 2.150 Jahre herrschen wird, auch im Zeichen der Theosophie stehen.

Verschlagwortung: 

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