Piraten, Kaiser, Märtyrer, Genies oder eine kleine Geschichte der Sachsen

Man soll den Tugenden entsprechend ja nicht nur seine Ahnen ehren, sondern auch das Land seiner Ahnen. In diesem Sinne...
Sachsen-Fahne, Flagge mit Wappen

Die Flagge des Freistaats Sachsen besteht aus einer waagerecht geteilten weiß-grünen Bikolore und trägt zusätzlich das Sächsische Wappen, welches eine neunmal von Schwarz und Gold geteilten Feld mit einem schrägrechten grünen Rautenkranz zeigt. Der Ursprung der Wappengestalt leitet sich von den Grafen von Ballenstedt aus dem Geschlecht der Askanier aus dem 12. Jh. her. (Bild: Steven Otto)

Über die Herkunft der ursprünglichen Sachsen ranken sich verschiedene Mythen. Manche meinen, es handelte sich bei ihnen um Teile der Armee Alexander des Großen  (4. Jh. v.u.Z.) andere behaupten, es seien Nachkommen des sagenumwobenen Troja (ca. 1.000 v.u.Z.). Von der Sax, ein typisches Hieb- oder Kurzschwert weit um die Zeitwende, was auch den Sachsen zu eigen war, sollen sie ihren Namen haben. Aber auch die Spartaner nutzten solche Kurzschwerter. Man liegt demnach wohl in mythischer Hinsicht nicht falsch, die Vorfahren der Sachsen im frühen antiken Griechenland zu suchen.

Die erste neuzeitliche Erwähnung der Sachsen findet sich beim Griechen Ptolemäus im 2. Jh. als ein in Holstein siedelnder westgermanischer Stamm. Die damals an der Nordseeküste beheimateten Sachsen waren verwegene Piraten, die sich sogar gegen die stärkeren römischen Kriegsschiffe durchsetzten. Als die Römer im 5. Jh. die Kolonie Britanien aufgaben, siedelten ein Teil der Sachsen mit den Stämmen der Angeln und Jüten nach Britannien über, wo ihnen von den bereits im 3. Jh. eingewanderten Kelten nur wenig Widerstand entgegengebracht wurde. Das diese Angelsachsen rund 1.500 Jahre später nicht nur einen Großteil der Bevölkerung der "Neuen Welt" sondern mit dem "British Empire" ein Weltreich und größte Kolonialmacht der bekannten Geschichte stellen, damit haben sich diese Nachfahren der Sachsen ganz sicher nicht nur gutes Karma eingehandelt.

Zur Zeit der Völkerwanderung um das 5. Jh. zogen andererseits viele Stämme aufgrund einer klimatischen Abkühlung von Norden in den Süden Europas bzw. Richtung Westen oft quer über den ganzen Kontinent. Mit den Sachsen zogen auch die Franken. Letztere gründeten das Fränkische Königreich, die Hauptstütze der römischen Kirche im Mitteleuropa. In seiner größten Ausdehung reichte das Frankenreich vom Antlantik bis nach Magdeburg und von der Nordsee bis zum Mittelmeer. Mit dieser Ausdehnung gerieten auch die östlich beheimateten Sachsen schon Anfang des 7. Jh. in Bedrängnis und das partnerschaftliche Verhältnis verschlechterte sich wesentlich, als das Frankenreich sich die Sachsen bzw. deren Länder gänzlich einverleiben wollte.

Der Unabhängigkeitssinn der Sachsen ist enorm, was besonders in dieser Zeit deutlich wird. Sie hingen aber nicht nur sehr an ihrer Freiheit und Unabhängigkeit, sondern auch an ihrer heidnischen Naturreligion. Es folgte ein offener Kampf über mindestens zwei Jahrhunderte. Da half den Franken auch das Fällen der Irminsul, ein dem Gott Donar geweihter heilige Baum der Sachsen oder das Hinrichten von 4.500 freien Sachsen an einem Tag nicht. Seit diesem Tag wird Karl der Große auch Karl der den Sachsenschlächter genannt. In diesem Zusammenhang muss auch der sächsische Freiheitskämpfer Widukind (nicht der bekanntere Mönch Widukind von Corvey) mit seinem heldenhaftem Mut und seiner Ausdauer genannt werden, der lange Zeit der drückenden Übermacht der Franken zu schaffen machte. Erst zu Beginn des 9. Jh. wurde die Sachsen Teil des fränkischen Reiches als Herzogtum Sachsen, geografisch heute großen Gebieten Niedersachsens bzw. Nordrhein-Westfalens entsprechend, was aber noch lange nicht hieß, dass die Sachsen ihre heidnische Naturreligion aufgaben,

Mit der Teilung des Frankenreiches durch die Nachfahren Karl des Großen gehörten die Sachsen zum abgespaltenen Ostteil aus dem später das erste Deutsche Reich entstand, an dessen Gründung die nun folgenden Sachsenkönige bzw. -Kaiser einen maßgeblichen Einfluss hatten. Denn der zum Köng des ostfränkischen Thron gewählte Sachse Heinrich I. – der die (römisch-katholische) Salbung und damit Krönung zum Kaiser ablehnte, weil er von der Kirche unabhängig sein wollte und 929 auch die Festung Meißen gründete – einte Schwaben, Bayern und Lothringen unter seiner Krone und unter seinen Nachfahren, die sogenannte sächsische Dynastie der Ottonen (von Namen Otto I. bis Otto III., Haus der Liudolfinger) bildete sich im 10. Jh. das erste deutsche, alte oder heilige römische Reich (deutscher Nation).

Im 11. Jh. folgte die Herzogdynastie der Billunger unter den salischen Kaisern. Hatten die ersten sächsischen Kaiser die Kirche noch ihrer weltlichen Macht untergeordnet, änderte sich das spätestens ab dem 12. Jh. und die Kirche gewann immer größeren Einfluss, wobei ständige Machtkämpfe nicht ausblieben. Auch die zahlreichen Fürsten drängten nach mehr Freiheiten. Lothar der Sachse, deutscher König und später Kaiser Lothar der III, spielte eine größere Rolle in dieser Zeit. Unter dem Sachsenherzog Heinrich dem Löwen wird Ende des 12. Jh. das Herzogtum Sachsen aufgeteilt in das Herzogtum Westfalen, sowie Sachsen, später Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg. Die Linie der Askanier, die mit dem Herzogtum Sachsen belehnt wurden, endete im 15. Jh., woraufhin die meißnischen Wettiner die Kurwürde erhielten und der Name Sachsen geografisch noch weiter elbaufwärts gen Süden wanderte.

Die Wettiner sind nach den Welfen das älteste deutsche Adelsgeschlecht deren frühester nachweislicher Stammsitz die Burg Eilenburg (Sachs.) war. 1089 wird der Wettiner Heinrich I. mit der Mark Meißen belehnt (gegründet noch von Otto I. 965) und damit beginnt die ununterbrochene Folge von Herrschern dieser Dynastie in der Mark Meißen bzw. den späteren Kurfürstentum und Königreich Sachsen, fast ein Jahrtausend lang (über 800 Jahre). Die Wettiner in ihren verschiedenen (Albertiner und Ernestiner) Linien hatten auch größeren Einfluss auf die späteren Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern (Coburg) aber auch in Belgien, Portugal, Bulgarien und nicht zuletzt Großbritannien. Queen Victotia (19. Jh.) hatte mütterlichseits sächsiche Wurzeln und heiratete Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, später nach dem WK II nannte sich das Haus in "Windsor" um, d. h. auch die aktuelle britische Monarchie hat nicht unwesentlich sächsiche Wurzeln.

Die im 15. Jh. entstandene Albertiner Linie der Wettiner regierten als Herzöge, Kurfürsten und – nachdem unter dem Einfluß Napoleons Sachsen 1806 zum Königreich wurde – als Könige in Sachsen. Kurfürst Friedrich August III. wurde zum ersten König von Sachsen. Er nannte sich seitdem König Friedrich August I. von Sachsen (der Gerechte). Erst im 19. Jahrhundert bildete sich auch das Gebiet Sachsens heraus, wie es in heutiger Form bekannt ist. In der Novemberrevolution von 1918 wurde der letzte Albertiner, König Friedrich August III., gestürzt und damit endete auch das Königreich Sachsen, welches 1919 nach der ersten demokratischen Wahl zum Freistaat Sachsen wurde.

Berühmte Sachsen sind bspw. Erich Kästner ("Es gibt nichts gutes, außer man tut es") Jackob Böhme, Adam Riese oder Gottfried Wilhelm Leibniz, der mit 20 zum Doktor promovierte und u.a. das Dualsystem (0,1) erfand und die Berliner Akademie der Wissenschaften gründete. Der Komponist Johann Sebastian Bach und Richard Wagner waren ebenso Sachsen, wie der Dichter und Philosoph Gotthold Ephraim Lessing oder die großen Philosophen Johann Gottlieb Fichte, aber auch Friedrich Nietzsche oder der Reformator Martin Luther. Und auch auf anderen Gebieten und in der Moderne glänzen die Sachsen durch besondere Leistung, denn wem ist als Sportler nicht Michael Ballack, Matthias Sammer oder Katharina Witt ein Begriff.

Und nicht zu vergessen ist auch, das die friedliche Revolution 1989 in der DDR in Leipztig, Sachsen ihren Ursprung nahm.

Eines zeigt dieser sehr kurze Abriss der Geschichte Sachsen bzw. der Sachsen ganz klar: Der Ruhm und bedeutende Einfluss der Sachsen durch die Jahrtausende um die halbe Welt ist evident. Auf das warum gibt meines Erachtens ein Auszug aus dem Sachsenlied eine schöne Antwort:

„Ein frommes Herz und fleiß’ge Hand!“
das sei mein Losungswort!
Hell leuchte deiner Tugend Glanz,
du edle Perl’ im deutschen Kranz.
(...)

Glück auf, Glück auf, mein Sachsenland!

 

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