Ein Leben ohne Fernsehen

Seit fast zwei Jahren lebe ich komplett ohne Fernsehen. Ob man das überleben kann? Ja, problemlos.
TV

Fernsehen, für die Einen Mittelpunkt des Lebens, für Andere inexistent, für viele tägliche "Beschäftigung". (Bild: Steven Otto)

Das Fernsehen, im Altertum noch ein Synonym für Hellsehen, heute ein Synonym für die allabendliche "Beschäftigung" von Millionen von Menschen. Man muss ja auch mal abschalten hört man des Öfteren. Abschalten? Ja hat die Natur denn dafür nicht den Schlaf vorgesehen? Diese sieben oder acht Stunden täglichen Schlafs sind doch tatsächlich auch abschalten und haben tatsächlich auch eine erholende und auch heilende Wirkung auf dem Organismus. Reicht das nicht? Halt entspannen! Entspannen? Also wenn man den ganzen Tag verspannt ist, dann sollte man doch eher die Ursachen dafür erforschen und beheben, denn normal ist das nicht.

Was mich angeht habe ich den Fernsehen einfach in den den Keller geräumt. Es ist m.E. eine rießige Zeitverschwendung. Wenn man zwei Stunden täglich fern sieht, dann macht das im Jahr, wenn man die sieben Stunden Schlaf vom Tag abzieht, sage und schreibe 43 Tage oder sechs Wochen (!), die man einfach verschwendet hat. Man sitzt also 1,5 Monate im Jahr non stop vor einer viereckigen Scheibe, abgeschaltet, d. h. man denkt nicht, sondern lässt sich "berieseln". Wenn man durch die Fensterscheibe eines Wohnzimmers schaut und eine Familie vor dieser Flimmerkiste sitzen sieht, könnte man sie glatt für Zombies halten, abgeschaltet, reglos und doch scheinen sie irgendwie zu leben, könnte man meinen oder doch nicht, hmm, ganz sonderbar.

Das Fernsehen ist eine Geisel dieser Gesellschaft. Aber es gibt doch so viel Bildungssendungen, hört man des Öfteres. Wer einmal über ein bestimmtes Thema ein Buch gelesen hat und sich dazu eine Fernsehsendung angesehen hat, der hat eine Ahnung davon, wie oberflächlich Fernsehberichte sind. Und wieviel Prozent des Fernsehkonsums macht das? Nein, Fernsehen erzieht schlecht und verblödet die Leute, so wird ein Schuh draus. Und es treibt sie zudem in eine gewisse Abhängigkeit. Nehmen wir mal eine Sitcom, die sich heute so großer Beliebtheit erfreuen. Da  wird eine Welt aufgebaut mit der sich der Rezipient identifiziert und all das ist so witzg und toll, bunt, exklusiv und schön, man fühlt sich so wohl dabei, als wenn man selbst dabei wäre, diese Welt leben und ein Teil von ihr sein würde. Aber das ist nicht real! Nichts davon! Die Gefühle des Zuschauers jedoch schon und das ist das Problem.

Diese Serien zeigen ein Leben, das so überhaupt nicht sein kann, es ist überzeichnet, d.h. unerreichbar witzig und toll und schön und im Vergleich mit unser aller Leben, sein es auch noch so ausgefüllt, eben unerreichbar toll. Und so tauchen die Menschen regelmäßig in Welten ein, die für sie in ihrem realen Leben unerreichbar sind und machen sich so abhängig von diesem tollen aber rein fiktionalen Lebensgefühlen. Schaltet man den Fernsehen dann mal ab, ist das eigene Leben auf einmal so leer, so trostlos und unwitzig, so traurig, also schnell wieder den Fernseher an, die nächste Folge, da gibt es ein besseres Leben! Eine Sucht, zweiflesfrei.

Zudem, schaut man sich diese Serien mal genauer an, was da für Wertesysteme transportiert werden, einfach unglaublich! Bei Two and a Half Man war der absolut Untugendhafte der große Held und der, der noch ein wenig Vernunft hatte, der große Idiot. Da begegnet man oft Menschen, die als toll und heldenhaft und mithin Vorbild gelten, die moralisch aber vollkommen degeneriert sind und was machen die Leute? Lachen darüber und oder finden es einfach nur schön, wundern sich aber darüber, wenn ihre Kinder mit 12 Jahren anfangen Komasaufwettbewerbe zu starten. Oder die absolut grausamen Massenmord-Szenen, die heute scheinbar zu jedem Fantasiefilm dazugehören und nicht nur dort - Krieg, Mord, Totschlag, tausendfach, ekelhaft und verabscheuungswürdig! Toll, hast Du das gesehen?

Jeder wie er mag. Ich habe das Ding entsorgt. Für tägliche Märchen bin ich zu alt. Ich lese mehr, widme mich wichtigeren Dingen, bin mehr in der Natur, lebe sehr viel freier. Heute freue ich mich, wenn die Sonne scheint, mich noch im November standhaft ein Maßliebchen von der Wiese herüber anlächelt, mich auf meinen Spaziergang ein Vöglein zwitschernd ein Stück des Weges begleitet oder wenn ich wieder was interessantes aus einem Buch gelernt habe. Das Leben an und für sich ist ganz wundervoll und auch die kleinen Freuden sind es, die es lebenswert machen oder zumindest machen sollten. Das geht natürlich nur, wenn man sie überhaupt wahrnimmt und sich nicht so unfassbar brutal hat durch Überreizung abstumpfen lassen, mit der täglichen Dosis "Abschalten", wie dies heute vollkommen unkritisch Tag für Tag immernoch in Millionen Haushalten passiert.

Also einfach mal wieder abschalten und zwar den Fernseher, nicht sich selbst :)

 

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