Die Tugenden: wahre Liebe

Ein tugendhaftes Leben zu führen heißt ein relativ geistiges Leben zu führen.
Feuer

Das Feuer: Seit je her Sinnbild des Göttlichen und das Göttliche wurde u.a. immer auch als die Vereinigung aller Tugenden an und für sich in größter Vollkommenheit gedacht.

Ich habe es ja schon des Öfteren im Rahmen des ein oder anderen Beitrages angeschnitten, was ich unter wahrer Liebe verstehe, bspw. im Artikel Falsch verstandene Eltern-Liebe, nun aber, da sie auch für  eine der höchsten Tugenden gehalten wird, weil sie so eng mit den Tugenden des Mitleids bzw. der Barmherzigkeit verbunden ist,  so erhält sie natürlich auch einen eigenen Artikel im Rahmen dieser Serie über die Tugenden

Es existiert verborgenen hinter den Wirren der Zeit ein ursprünglicher Liebesbegriff, der jedoch schon seit dem Mittelalter, aber besonders prägend während der Aufklärung eine bedeutende Veränderung erfahren hat und droht, gänzlich verloren zu gehen.

Heute steht Liebe oft für körperliche Liebe und damit sehr vergängliche Liebe aus Leidenschaft, getrieben meist von den unsteten Begehrlichkeiten und Leidenschaften körperlich-sinnlicher Motive.

Sich zu einem höheren Verständnis der Liebe aufzuschwingen scheitert heute meist schon an der "Binsenweisheit", dass es sehr schwer zu sagen sei, was Liebe denn eigentlich überhaupt ist oder genau sein soll und sich wohl aufgrund der allgemeinen Unwissenheit darüber, sich am besten ein jeder sein eigenes Bild dazu machen sollte, sofern das überhaupt möglich ist.

Aber nichts ist einfacher zu beantworten, als die Frage, was wahre Liebe ist und nein, hier hilft Wikipedia nicht weiter. Aber es genügt ein Blick zurück.

Vor der Aufklärung wäre das heute landläufig gängige Liebesverständnis, frei nach dem Motto "Liebe machen" undenkbar gewesen. Nicht das es soetwas überhaupt nicht gegeben hätte, aber die allgemeinen Sitten diesbezüglich waren doch noch ganz andere als heute.

In der Antike galt es als unedel einen Menschen wegen seinem Körper zu lieben und für Plato war es (im Gastmahl) ein Zeichen für ein "edelgeartetes Gemüt", wenn man die Seele eines Menschen liebte, d. h. sein inneres Wesen, und sich bestrebte, mit diesem inneren Wesen (also gänzlich unkörperlich) sich zu vereinigen, denn das macht eine unvergängliche Liebe aus. Andernfalls vergeht die Liebe mit der Blüte des Körpers und dessen Leidenschaften.

Und bis zur Aufklärung verstand man im Abendland unter Liebe das hohe Ideal der Fürsorge, d. h. der hingebenden, fürsorglichen, selbstlosen und reinen (oder heute wahren) Liebe, die unvergängliche und höchste Liebe, nämlich die des Herzens, die immer und allein nur von idealen oder höheren, d. h. tugendhaften Motiven getrieben ist.

Selbstos bedeutet eine (hilfreiche) Handlung für andere zu begehen, ohne dafür irgendetwas zu erwarten, noch nicht einmal ein Dankeschön, sondern weil es gut, ja geradezu eine heilige Pflicht, Hilfsbedürftigen auch zu helfen, um so mehr natürlich für die Seinen. Fürsorge heißt, sich um jemanden zu kümmern, Sorge für jemanden zu tragen, wenn nötig für dessen Sorgen da zu sein und dementsprechend auch zu helfen und das hingebungsvoll, d. h. durchaus emotional und wenn es sein muss, unter eigenen Opfern, indem man seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellt und das auch gegen widrigste Umstände, was natürlich auch bedeutet, ggf. bestehende Probleme zu lösen, anstatt lieber davozulaufen, wobei hier nicht selten auch die Vergebung eine große Rolle spielt.

Nun mag jeder seine individuellen Bauchgefühle oder Leidenschaften für Liebe halten und vielleicht sind sie es auch, aber wahre Liebe hat weder mit Sexualität noch mit Leidenschaften überhaupt auch nur das Geringste zu tun, denn diese Liebe gründet in unseren Herzen, dem Sinnbild des höheren geistigen Prinzips in uns, welches mitunter auch als Seele bezeichnet wird, wobei im theosophischem Sinn zwischen einer göttlichen Seele (höheres Prinzip) und der menschlichen Seele (das "Ich") unterschieden wird.

Man nehme alle Tugenden, stelle sich davon die idealsten Ausprägungen zu denen man fähig ist vor, durchdringe all dies mit der reinsten und höchsten selbstlosen Liebe und man bekommt eine leise Ahnung davon, wie es sich mit dem höheren Prinzip in uns verhält. Und dessen Bestrebungen, die eine Richtschnur für unser Leben sein sollten, sofern wir eine geistige Entwicklung anstreben, sind nunmal so ideal wie dieses Wesen selbst es ist. In Dr. Longs so überaus wichtigen Buch über Nahtoderfahrungen ("Beweise für ein Leben nach den Tod") wird relativ deutlich, wie es sich damit verhält. Ich schrieb im entsprechenden Buchtipp dazu folgendes:

Das alles ist ganz wundervoll und die Schilderungen der Betroffenen (welche solche Nahtoderfahrungen gemacht haben) haben sehr vieles gemeinsam und das weltweit über alle religiösen Grenzen hinweg. Eine, wenn nicht die wichtigste gemeinsame Botschaft, die uns diese Menschen übermitteln, ist folgende: Achtet immer darauf, was ihr in anderen Menschen auslöst. Bemüht euch auf wahrhaftiger Basis immer Dankbarkeit, Freude und Liebe in ihnen auszulösen! Das ist es, was wichtig ist und letztlich wirklich zählt, nicht unser Ego.

Und was anderes ist das, als der erste Schritt zur wahren Liebe, eine wahre oder selbstlos fürsorgenden Liebe die mit der Art der Bindung und deren Dauer wächst, die wir zu den verschiedenen Menschen in unserem Leben haben?

Wenn Liebe Begehren ist, dann ist wahre Liebe das Begehren danach selbstlos Gutes zu tun und Fürsorge zu leisten, also wahrhaft liebend zu sein in dieser Welt und das zu den Hilfsbedürftigen und natürlich unseren Nächsten.

Das beginnt bei den Eltern, über die Geschwister, zieht sich durch die ganze Familie und deren Freunde, über die individuellen Freunde die uns in unserem Leben begleiten bis hin zum Partner oder der Partnerin, mit der wir einen Bund fürs Leben in guten wie in schlechten Zeiten eingehen und wird auf eine ganz unbeschreibliche und höchst wundervolle Art und Weise gekrönt von der natürlichsten und damit wahrhaftigsten, tief aus unserem Herzen hervorquellenden, unversiegbaren göttlichen Liebe, und das ist die Liebe zu unseren eigenen Kindern!

Das ist das höchste irdische Abbild der wahren, heiligen und selbstlos fürsorgensten Liebe, zu der sich ein Mensch erheben kann und das ist eine Liebe, die wir streng betrachtet natürlich jedem Menschen entgegen bringen sollten. Wer von uns ist so vollkommen? In Bezug zur wahren Liebe wird auch in den theosophischen Lehren eines sehr deutlich:

Wir sind sterblich, wo wir lieblos sind, unsterblich, wo wir (wahrhaftig) lieben.

Karl Jaspers, dt. Philosoph

Und das darf man durchaus wörtlich verstehen. In diesem Sinne lasst uns alle mehr für die Ewigkeit leben, also wahrhaft oder selbstlos fürsorgend lieben!

Verschlagwortung: 

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