Die Tugenden: Mut und Tapferkeit

Ein tugendhaftes Leben zu führen heißt ein relativ geistiges Leben zu führen.
Feuerflammen

Das Feuer: Seit je her Sinnbild des Göttlichen und das Göttliche wurde u.a. immer auch als die Vereinigung aller Tugenden und das in höchster Vollkommenheit gedacht. (Bild: Steven Otto)

Seit Platon zählt die Tapferkeit zu den Kardinaltugenden. Wikipedia belehrt uns:

Tapferkeit (althochdeutsch: tapfar,  mittelhochdeutsch: tapfer = fest, gedrungen, widerstandsfähig gegen Schmerzen) ist die Fähigkeit, in einer schwierigen, mit Nachteilen verbundenen Situation trotz Rückschlägen an seinem Erfolgswillen festzuhalten.

Die Tapferkeit ist also die Kraft, ausdauernd ertragen zu können, man könnte auch sagen die Kraft, die es uns ermöglicht, zu Leiden ohne zu klagen. Es bedeutet also, sich in den Augenblicken der Prüfungen, gleich ob seelischer oder körperlicher Widerstand oder Schmerz, möglichst besonnen, selbstbeherrscht und ausdauernd zu zeigen.

Wir sollen uns ohnehin, so die Empfehlung der antiken Philosophen, im Glück wie im Leid mäßigen und uns nicht allzu sehr weder in die eine noch in die andere Richtung gehen lassen. Gejammere und Geheule stehen zudem weder Männern noch Frauen und auch nicht Kindern. Sieht man von einigen Ausnahmen im Leben ab, in denen Tränen durchaus gerechtfertigt sind – und oft, wenn uns etwas tief berührt, sind sie auch gar nicht zu vermeiden – so sind übertriebene Wehklagen und endlose Trauer in welcher Form auch immer, doch mehr ein Zeichen von Unvernunft.

Und auch der Tod macht dem Leben eines vermünftigen Menschen kein Ende, was ja mittlerweile wissenschaftlich bewiesen wurde und wahre Liebe ist ohnehin unsterblich!

Man muss sich nur das Ideal eines tapferen Menschen vergegenwärtigen, ein Mensch, der sich absolut nicht vom Schicksal beugen lässt, egal wie stürmisch die Wogen seines Lebens sind, wie schmerzvoll ihm der eisige Wind des Schicksals auch ins Gesicht peitscht – der Tapfere bleibt unbeugsam und verzieht keine Miene. Und er ist so, nicht weil er herz- oder gefühllos, ignorant oder dumm ist, nein ganz sicher nicht deshalb, sondern einzig und allein, weil er geistig und moralisch stark ist, tapfer in Vollendung – Beherrscher seines Körpers und seiner Gefühle, ein wahrer Held, weise und tapfer, um das zu tun, was ein Mensch zu tun hat.

Diesbezüglich sollte man seinen Kindern nicht nur Vorbild sein, sondern auch früh damit beginnen, dass sie sowohl das Ideal der Tapferkeit – wie natürlich auch das der anderen Tugenden – von früh auf besonders zu schätzen lernen, als auch, sie dazu anzuhalten, sich dieser Tapferkeit zu befleißigen. So wird der unglückliche Sturz zur Prüfung, zur Prüfung der Tapferkeit, gleichzeitig auch zur so wichtigen Übung dieser Tugend und nicht zuletzt auch eine Möglichkeit, sich als geistiges Wesen zu stärken, in dem man auch hier nur durch Übung die so überaus wichtige Herrschaft erlangt – die Herrschaft der Vernunft über die Unvernunft oder des Höheren über das Niedere.

Zum Mut hat uns Wikipedia folgendes mitzuteilen:

Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben…
Das Wort „Mut“ stammt aus indogermanisch mo- = sich mühen, starken Willens sein, heftig nach etwas streben, germanisch moda-, mōþa-, mōþaz, mōda-, mōdaz = Sinn, Mut, althochdeutsch muot = Sinn, Seele, Geist, Gemüt, Kraft des Denkens, Empfindens, Wollens

In der Tapferkeit ertragen wir also, in dem wir Stand halten, wohingegen uns der Mut befähigt, etwas aktiv auszuführen oder kurz gesagt: der Mut ist Wagnisbereitschaft und Tapferkeit das Durchhaltevermögen. Wie bei der Tapferkeit spielen auch beim Mut die Klugheit, Besonnenheit, Hoffnung und der Wille eine begleitende Rolle.

Handlungen sollten natürlich immer vernünftig sein, sofern man aber deren moralische oder physische Notwendigkeit und deren Sinn erkannt hat, dann sollte man sie auch entschlossen durchführen, auch wenn man Angst davor hat, indem man diese Angst überwindet. Auch der Mut, sofern er nicht in Übermut ausartet, ist ein Zeichen charakterlicher bzw. geistiger Stärke.

Beides, Mut und Tapferkeit, wie auch die anderen Tugenden, können und müssen trainiert werden. Gerade in der Kindheit und Jugend des männlichen Geschlechts kommen die Phasen, in denen sie sich beweisen wollen und zu Mutproben tendieren, ja diese geradezu fordern. Wenn man ihnen dies nicht vernünftig ermöglicht, dann nehmen diese Tendenzen unkanalisiert wohl gerade bei jungen Männern sehr schnell sonderbare und schädliche Züge an. Ich empfehle weiterhin allen Eltern das Buch "Erziehung zur Schönheit", welches auch dieses Thema genauer beleuchtet.

Man sollte auch hier mit der Übung schon möglichst früh beginnen. Ein Bsp. für Kinder Mut zu zeigen, könnte das Springen vom 1, 3 oder 5 m Brett etc. im Freibad sein. Ein Bsp. Tapferkeit zu zeigen oder zu üben, bspw. sich eine Spinne über den Arm krabbeln zu lassen oder anderes. Hier ist der Vater gefragt, der Lehrmeister für Mut und Tapferkeit zu sein. Und wie gesagt sollte es dabei immer vernünftig zu gehen. Zwang hilft sicher nicht. Vielmehr sollte das Idealbild bemüht und gelobt werden, bspw. der überaus mutige Mensch, der anderen das Leben retten oder seine Mutter verteidigen kann, wenn es darauf ankommt etc. Manchmal bedarf es nur ein wenig Ermutigung.

Mut und Tapferkeit gehören unabdingbar zu einem edlen Charakterbild.

„Ein tapferer Geist, im Kampf mit der Widerwärtigkeit“, sagt Seneca, „ist ein anziehendes Schauspiel, selbst für die Götter.“

J. C. Friedrich v. Schiller

In diesem Sinne lasst uns kämpfen und auch Angst und Feigheit überwinden, die vom Start weg in jedem von uns wohnt, um dadurch unserer Seele, unserem höheren Prinzip in uns, unserem "persönlichen Gott“, zu erfreuen.

Verschlagwortung: 

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