Die Tugenden: Lerne leiden ohne zu klagen!

Ein tugendhaftes Leben zu führen heißt ein relativ geistiges Leben zu führen.
Feuer

Das Feuer: Seit je her Sinnbild des Göttlichen und das Göttliche wurde u.a. immer auch als die Vereinigung aller Tugenden an und für sich in größter Vollkommenheit gedacht.

Lerne leiden ohne zu klagen ist nicht nur eine ehemals preußische Tugend für tapfere Männer, wenngleich für jene natürlich insbesondere gültig, sondern auch eine allgemeine Tugend, die eng mit dem Schicksal (i.S.v. Karma) im Zusammenhang steht. Und deshalb ist es zunächst gut, auch ein wenig auf das Schicksal einzugehen. Hier kann ich es freilich nur rudimentär anreisen, aber die theosophische Sichtweise findet sich ja ausführlicher in meinem Buch.

Grundsätzlich muss man sagen, dass es in einer Welt von Ursache und Wirkung keinen Zufall geben kann. Jede Wirkung hat eine Ursache. Und Wirkungen deren Ursachen wir nicht kennen, nennen wir Zufall oder Schicksal oder mehr wertend, Glück oder Pech. Und dennoch ist nicht alles fatalistisch determiniert, also unverrückbar vorherbestimmt, denn wir besitzen ganz offensichtlich einen freien Willen, was nun schon wieder ein anderes Thema ist.

Ich sage an dieser Stelle nur so viel:  Wir haben einen relativ freien Willen, können also in einem bestimmten Rahmen frei entscheiden, was wir tun oder lassen und sind deshalb in diesem Rahmen auch selbst verantwortlich. Und damit wird auch klar, dass nicht alles vorherbestimmt sein kann, weder in dieser Welt noch für ein einzelnes Individuum, wenngleich es auch vorherbestimmte Grundstrukturen im Leben gibt, man denke bspw. an unsere körperliche Grundkonstitution bei Geburt oder andere Geburtsumstände oder Veranlagungen, für die wir ja nun wirklich nichts können, obgleich sie dennoch mit unserem höheren Prinzip im Zusammenhang stehen und natürlich ebensowenig ursachenlos sind.

Karma ist nun  d a s  Gesetz, ein Gesetz, dem sich jedes Wesen in diesem Kosmos unterordnen muss. Und es ist das Gesetz der Wiedervergeltung und ausgleichenden Gerechtigkeit.

Alles was wir denken, sprechen oder tun erzeugt nicht nur Wirkungen auf der physischen, sondern auch auf einer metaphysischen Ebene und Karma ist das Gesetz, welches die erzeugten Wirkungen immer auf seine Ursache oder den Verursachenden zurückführt und das aus dem Grund der Harmonie-Erhaltung. Karma ist dabei ein unpersönliches und vollkommen wertfreies Gesetz, was man sich wohl sinngemäß mehr als Spiegel vorstellen kann, der reflektiert. Aber nur weil man jemanden geschlagen hat, muss das nicht bedeuten, dass die karmische Strafe dafür immer nur wiederum ein geschlagen werden sein kann, denn es so zu sehen, wäre recht infatil.

In der Theosophie wird gelehrt, dass alles, was uns persönlich widerfährt, ob nun gut oder schlecht, seine Ursachen hat und diese oder jene Ursache immer in uns zu finden ist, sie also in unserem Wirken gründet. Man muss aber mindestens drei Punkte bei diesem Lehrsatz beachten, andernfalls kommt es zu keinem richtigen Verständnis.

  • Es gibt Ausnahmen von dieser Regel, wie jede Regel ihre Ausnahmen hat. Das geht schon damit los, dass oft mehrere Menschen interagieren und somit oft schonmal mindestens zwei Wesen mit freien Willen zusammenkommen. Ein schreckliches Ereignis, welches einem von jemand anderen widerfährt, kann also nicht zwangsläufig nur die eigene Schuld sein. In solch einem Fall wird Karma für ein unschuldiges Opfer zum Gesetz der ausgleichenden Gerechtigkeit, d. h. es gibt für (anteiliges) nicht zu verantwortendes Leid, immer auch einen Ausgleich.
  • Man muss unterscheiden zwischen physischer und metaphysischer Ebene, d. h. bspw. eine Krankheit wird karmische (also metaphysische) Ursachen haben, genauso gut, wie sie konkrete physische Ursachen hat. Ein anderes Bsp. wäre ein gesellschaftlicher Zusammenbruch. Man wird vielleicht feststellen, dass es eine wichtige WäTheosophiehrung war, die aus irgendwelchen Gründen kollabiert ist. Dies sind jedoch nur die physischen Ursachen, die selbst nur Wirkungen der eigentlichen metaphysischen (oder in diesem Sinne moralischen) Ursachen sind.
  • Es wird da wo Karma gelehrt wird, neben der angesprochenen Selbst- oder Eigenverantwortung immer auch Nächstenliebe gelehrt, d. h. zum einen sollte man davon ausgehen, dass man Selbst die Verantwortung trägt und hier muss man sein höheres Prinzip und dessen Karma mit einbeziehen, denn dieses Leben hat natürlich auch einen höheren Sinn und zum anderen bedeutet die Tugend der Nächstenliebe auch direkt (und nicht durch Dritte) zu helfen, da wo man jemanden Leiden sieht und Hilfe zu geben vernunftgemäß möglich ist.

Nur ungeachtet dieser Punkte kann ein falsches Karma-Verständnis gelehrt werden, dass alles Schicksal sei, in einem fatalistischen Sinne, bspw. in dem man sogar sein eigenes negatives Handeln gegenüber Anderen als eigenes und den Opfern gegenüber als festgeschriebene Schicksal versteht oder aber, dass es nicht nötig wäre, Anderen die in Not sind, zu helfen, weil ihre Not ja ihr festgeschriebenes und damit gerechtes karmisches Schicksal sei. Wer Karma so versteht, der lehrt weder das richtige Verständnis von Karma noch lehrt er es nach den theosophischen Lehren Madame Blavatskys.

Und nun, nach dieser etwas ausschweifenden Einleitung zum eigentlichen Thema: Warum also ist leiden ohne zu klagen eine Tugend und was versteht man darunter?

Ein inneres oder äußeres Klagelied bezüglich eines Leids ist ein Klagelied auf das Schicksal und Karma ist die in diesem Kosmos herrschende universelle Gerechtigkeit, die straft, belohnt oder ausgleicht, aber die sich niemals irrt und sich darüber zu beschweren, ist ganz einfach unvernünftig, ungerecht ergo untugendhaft. Nach den bisherigen Sichtweisen ist ein Leid also gerecht, insofern es auf selbst gesetzte Ursachen zurückgeführt werden kann oder sofern das in Ausnahmen nicht der Fall ist, so wird man für etwaiges ungerechtfertigtes Leid einen karmischen Ausgleich erhalten.

Man mag sein Leid teilen, wenn es denn sein muss, weil es sich aufgrund dessen, dass man Anderen etwas davon abgibt, dem Sprichworte nach halbiert, aber darüber zu klagen, ist doch eine ganz andere Sache. Man sollte also die unvermeidlichen Unannehmlichkeiten oder gerechten Strafen des irdischen Lebens ertragen und sich nicht gegen sie auflehnen. Denn wer sich dagegen auflehnt, die Gerechtigkeit also in diesem Sinne nicht annimmt, der ruft zwangsläufig nur neues Karma hervor und so kann es sich nicht erschöpfen.

Und nun muss noch ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang beachtet werden, der ohnehin immer über allen Dingen steht und das ist die Vernunft. Denn das eben gesagte bedeutet dennoch nicht, sich seinem Schicksal tatenlos ergeben zu müssen. Es wäre unvernünftig, bspw. eine lebensgefährliche Krankheit ohne ärztliche Hilfe nur zu ertragen, anstatt sich behandeln zu lassen, in diesem Sinne also sich gegen die Krankheit aufzulehnen. In einem solchen Fall bedeutet das Ertragen lediglich, dass man mit seinem Schicksal nicht hadern, es also annehmen und dem Leben oder Menschen nicht zürnen soll, was nur unserer Herzensreinheit schädlich wäre. Und sein Schicksal zu überwinden, kann demnach durchaus sehr vernünftig und auch bewundernswert sein, bspw., wenn jemand mit Ausdauer, Fleiß und starken Willen eine unfallbedingte Lähmung überwindet.

Was man heute allgemein unter karmischen Lehren lesen kann, ist tatsächlich lieder oft mehr eine Farce, als das es etwas mit den hochphilosophischen Lehren des Ostens zu tun hätte und man versteht die große Zurückhaltung bestimmter mystischer Schulen bei der Herausgabe ihres Wissen, wenn man doch deutlich erkennen kann, welcher Missbrauch und Schaden durch Unverständnis und die vielen Missdeutungen entsteht.

Wenn man sich nun im Lichte der ewigen moralischen Gesetze, also den Tugenden, vergegenwärtigt, in welcher Schande diese Gesellschaft lebt, in welchen Mengen wir natürliche Ressourcen verschwenden, wie egoistisch wir sind, wie wir Lebenszeit verschwenden oder uns anderweitig untugendhaft verhalten und deshalb die natürliche Harmonie stören, gleich ob nun die des Weltkörpers oder die unseres eigenen Körpers, so muss sich niemand über die vielen Leiden wundern, die diese Gesellschaft oder den Einzelnen heimsuchen.

Ich persönlich versuche wo es nur geht, Leiden zu ertragen. Als man mir einen Weisheitszahn gezogen hat, habe ich mich zwar lokal betäuben lassen, weiter hat dann meine Männlichkeit doch noch nicht gereicht, habe aber auf die Schmerztabletten verzichtet. Das war kein angenehmer Tag, aber ich habe Stärke gezeigt, gelitten ohne zu klagen.

Zudem stärkt man sich durch dieses Ertragen auch als geistiges Wesen bzw. seinen Willen, was durchaus sehr wichtig ist für die geistige Entwicklung. Alles in Allen aber ein sehr schwieriges Thema wobei ein richtiges Verständnis von Karma, was ich hier wie gesagt nur kurz angerissen habe allen Menschen und besonders jenen die den wirklich harten Schlägen des Schicksals aiusgesetzt sind, Trost spenden kann.

Aber auch bezüglich des "alltägliches" Leiden, bspw. wenn auf dem Fuß getreten wird, sich den Kopf stößt oder auf einmal grundlos traurig ist, bei alledem darf man sich nicht der Untugend hingeben und Schwäche zeigen, sei es nun unverhältnismäßige Trauer oder Wut und Zorn oder ein gejammere über die ach so ungerechte Welt mit ihren so ungerechten und dummen Menschen, denn um einen ist keiner von uns vollkommen und zum anderen herrscht Karma, insbesondere auch von einem metaphysischen Gesichtspunkt aus – und der geistige Mensch begreift sich nunmal zum größeren Teil als metaphysisches sprich geistiges Wesen – und dass heißt es herrscht das Gesetzt der universellen Gerechtigkeit, ob durch Strafe oder Ausgleich.

Es gilt seit je her für jene welche wissen und für jene, die zumindest daran glauben das andere wissen, aus sehr gutem Grund: Lerne leiden ohne zu klagen! Denn

stärker als das Schicksal, ist derjenige, der es erträgt.

In diesem Sinne sollten wir die Welt, unsere gesellschaftlichen und individuellen Lebensumstände als das betrachten, was sie sind: Wirkungen unvollkommener menschlicher Entscheidungen, auf das wir aus unseren Fehlern lernen, die Fehler anderer vergeben und diese Welt zu einem besseren Ort machen, in dem wir mindestens uns während unseres Lebens zu besseren sprich tugendhafteren Menschen machen.

Verschlagwortung: 

Inhalte-Empfehlungen

Was verpasst? Der Jahresrückblick 2013
Die Seite ist nun seit guten zwei Monaten online und wurde seit dem ca. 1.000 mal besucht. Der beliebteste Blogeintag in dieser Zeit war: Der "neue"...
Die Tugenden: Selbstlosigkeit
Neben der Barmherzigkeit und Nächstenliebe ist die Selbstlosigkeit eine der drei Tugenden, die wir tatsächlich von allen Weltheilanden und wahren...
Die Tugenden: Ordnung und Sauberkeit
Ordnung ist das halbe Leben, heißt es ja so schön, nicht zu Unrecht natürlich und die andere Hälfte nimmt dann am besten gleich die Sauberkeit ein,...
Theosophische Gemeinschaft
Die theosophische Gemeinschaft "Söhne des Feuers" basiert in ihrem Glauben streng auf den theosophischen Lehren der Geheimlehre von Madame Helena...
Die Edikte des König Asoka
König Asoka war ein Herrscher der altindischen Dynastie der Maurya. Er regierte von 268 bis 232 v. Chr. und war ein Enkel des Dynastiegrü...
Ein Blick in die Zukunft...
In der Geschichte ist deutlich zu erkennen, wie sich untergeordnete Zyklen in diesem Zeitalter als ein beständiges auf und ab der Gesellschaften...
Buchtipp
Kallipädie oder Erziehung zur Schönheit
Es gab einst bei den Griechen eine Art Wissenschaft namens Kallipädie(1), das ist das Wissen um die Erziehung schöner Menschen. Diese pflegte u.a....
Buchtipp
Auf den Spuren der Methusalem-Ernährung
Henning Müller-Burzlers segensreiches Buch ist im Grunde  d a s  Buch, wenn es um das so außerordentlich wichtige Thema der Ernährung geht. Äußerst...
Projekt
Theosopische Bibliothek
Es geht bei diesem Projekt um das Zusammentragen folgender Literatur: In der Geheimlehre genannte oder empfohlene Literatur Veröffentlichungen von...

Um am Forum teilnehmen bzw. Inhalte kommentieren zu können musst Du Dich anmelden oder registrieren.

Bitte beachten

Diese Webpräsenz widmet sich dem Thema Theosophie (insbesondere im Rahmen der Geheimlehre von Madame Helena Petrovna Blavatsky) und ist zum Zweck der Bildung einer Theosophischen Gemeinschaft ins Leben gerufen worden. Hier finden sich zudem ein Theosophie-Forum und aktuelle Inhalte rund um das Thema Theosophie bzw. Tugenden und die Vernunftwerdung. Bei der Veröffentlichung von eigenen Inhalten beachte bitte einige Hinweise.

On this site you can also find an international theosophy section and the quarterly "International Theosophy World News"-Newsletter.