Die Tugenden: Dankbarkeit

Ein tugendhaftes Leben zu führen heißt ein relativ geistiges Leben zu führen.
Feuer

Das Feuer: Seit je her Sinnbild des Göttlichen und das Göttliche wurde u.a. immer auch als die Vereinigung aller Tugenden und das in höchster Vollkommenheit gedacht. (Bild: Steven Otto)

Dankbarkeit ist eine wesentliche und sehr einfache Tugend, wenn nicht sogar die einfachste, denn was kostet uns schon ein Dankeschön? Nicht mehr als ein wenig Besonnenheit. Und wieviel Gutes es stiftet. Und dennoch, viel zu oft wird sie viel zu sehr vernachlässigt, wie ich finde.

Wir leben in Frieden und Sicherheit, haben ein Dach über den Kopf und immer genug zu essen bzw. zu trinken, kurzum, alle unsere existenziellen Bedürfnisse sind auf eine ganz wundervolle Art und Weise befriedigt. Wenn man sich überlegt, dass der nächste Supermarkt nur ein paar Minuten entfernt ist und das man dort tatsächlich so gut wie alles bekommt und das aus der halben Welt und immer frisch und zu jeder Jahreszeit und dann noch in einer fast unüberschaubaren Auswahl und das von früh bis spät? Strom? Kein Problem. Fließend kaltes und warmes Wasser? Kein Problem. Ein warme Wohnung im Winter? Kein Problem, etc. pp. usw. usf.

Ich denke mir manchmal, was anderes ist das denn bitteschön, als das sagenumwobene Schlaraffenland, wo Milch und Honig in den Bächen fließen und die nächste Mahlzeit nur ein paar Schritte weit entfernt ist? Viel fehlt zumindest nicht mehr und das wird um so deutlicher, wenn man in die weniger begünstigten Teile dieser Welt schaut. Und gerade weil diese über alle Maßen vollumsorgte Gesellschaft heutzutage auf diesen Planeten eben alles andere als normal ist, sollten all diese Segnungen doch ein ein Grund für tägliche Dankbarkeit und Freude sein!

Es ist zwar selbstverständlich anderen Menschen gegenüber dankbar zu sein, aber wie schaut es mit den Dingen des täglichen Lebens aus? Wenn man nur mal überlegt, was es Bedarf, dass tägliche Frühstück oder ein Brot hervorzubringen. Das Getreide muss gesät bzw. angebaut werden. Dann muss es geerntet und verarbeitet werden, bis es dann mal beim Bäcker ist etc. Oder wie schaut es mit der Butter aus? Ohne Kuh keine Butter, und die Kuh muss ja auch leben, essen und trinken, gemolken werden, dann die Weiterverarbeitung der Rohstoffe. Und da ist man ja mit dem Frühstück, nur einer von drei Mahlzeiten täglich, noch lange nicht fertig. Und wieviel Zeit und Geld kostet uns das alles im Supermarkt?

Was ich auch damit sagen will: Dankbarkeit gegenüber der Natur, für alle Dinge der Natur, die man für sein Leben nutzt oder verbraucht (und alles nimmt seinen anfang in der Natur), ist durchaus angebracht und wird gesitteten Menschen seit je her anempfohlen.

Es mag zwar jene geben, die die Natur, bspw. diesen Planeten, genauso wenig als ein beseeltes Wesen begreifen, wie sich selbst und sich wohl eher denken: Warum dankbar sein, schließlich habe ich es doch bezahlt und mir das Geld selbst verdient! Aber wiederum: Um Geld zu verdienen, sind wir doch alle mehr oder weniger auf die Natur und ihre Ressourcen angewiesen, man denke ganz einfach mur mal an seinen Körper.

Oder wieviel Wasser und Strom wir an nur einem Tag verbrauchen. Alles was uns umgibt, kommt ursprünglich aus der Natur. und wer sich als beseeltes Wesen begreift, wie auch diesen Planeten oder auch Mutter Natur für beseelt hält, der müsste sich ja geradezu schämen, nie ein Wort oder Gedanken der Dankbarkeit ihr gegenüber verlauten zu lassen und wenn es auch nur gedanklich passiert.

Diese Art tägliche Dankbarkeit halte ich geradezu für eine Pflicht. Außerdem kann man der wichtigen Tugend der Zufriedenheit am besten durch Dankbarkeit Ausdruck verleihen, da die Dankbarkeit ja die Zufriedenheit impliziert. Da hat man dann also auch noch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Man sollte also am besten aus dieser Art der Dankbarkeit zumindest für alles was man verbraucht, eine tägliche Gewohnheit machen. Und ein solches Dankeschön bezeugt nicht nur Zufriedenheit und Tugendhaftigkeit, sondern eben auch Weisheit und auch eine gewisse Geistigkeit oder Spiritualität.

Es ist ein lobenswerter Brauch:
Wer Gutes bekommt, der bedankt sich auch.

(Wilhelm Busch)

Und sind wir nicht alle reichlichst beschenkt in diesem Leben?
 

Verschlagwortung: 

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