Die Traditionen unserer heidnischen Vorfahren

Die Heidnische Naturreligion ist die ursprüngliche oder Urreligion auch unserer Vorfahren, bevor diese brutal vom kirchlichen Christentum verfolgt und ausgerottet oder abgeändert in die eigenen Riten aufgenommen wurde.
Ein junger Eichenbaum

Eine junge Eiche, vielleicht eine neue Irminsul? Wikipedia belehrt uns: Die Eiche war bei den Germanen dem Gewittergott Donar (= Thor) geweiht. Die Sachsen beteten die Irminsul an. Es wird vermutet, dass es sich dabei um eine hohle Eiche handelte. Der heilige Bonifatius (Apostel der Deutschen) fällte die Donareiche bei Geismar im Jahr 723, um den zu bekehrenden Heiden zu beweisen, dass ihr Gott ein ohnmächtiges Wesen sei, das nicht einmal seinen Baum schützen könne. (Bild: Steven Otto)

Dies ist der erste Teil einer dreiteiligen Serie zum Heidentum. Teil zwei beschäftigt sich mit dem Lebenskreis und Teil drei mit dem Jahreskreis.

 

Heide und Heidentum

Der Begriff Heidentum wird heute verschiedentlich genutzt, in der Kirche, um die zahlreichen anderen kleineren Religionen abzuwerten, gegen sie zu polemisieren und abzugrenzen, heute aber immer mehr auch wertfrei im Zusammenhang mit der wahrzunehmenden Renaissance vorkirchlicher Religionen in unseren Breitengraden. Was das Wort selbst angeht, gibt es verschiedene etymologische Theorien, wobei diejenige, die den Ursprung von der Allmende (das ist gemeinschaftlich nutzbares Gemeinde-Eigentum, wie bspw. Wald, heute fast vollkommen verschwunden) herleitet immer noch die ist, die meiner Ansicht am nächsten kommt, d. h. es vom damaligen Wald-Hain abzuleiten, der Naturtempel der damaligen Naturreligion. Wikipedia zum Hain:

Zahlreiche antike Belegstellen geheiligter Waldstücke wurden mit dem Wort „Hain“ ins Deutsche übersetzt und reicherten ihrerseits den Begriff mit sakralen und poetischen Konnotationen an.

Der Hain, eine kleine Lichtung im Wald mit uralten Bäumen, galt als heiliger Ort und diente ihnen, oft mit einem kleinen Schrein aus Materialien die im Wald gefunden wurden, für Gebete oder heilige Zeremonien. Oft wurden leider die heiligen Stätten unserer Vorfahren vom kirchlichen Christentum zerstört und darauf Kirchen errichtet. Aber all das sagt uns vor allem deutlich, dass ein Heide nicht gleichbedeutend mit einem Atheisten ist, auch wenn die Kirche oder das kirchliche Christentum, die ja ihrer Meinung nach als einzige die Wahrheit und wahre Religion besitzt, zwar folgerichtig, aber dieser dennoch falschen Meinung anhängt.

Man kann heute Heidentum bzw. heidnische Naturreligionen auch als weltweite lokale Glaubensvorstellungen betrachten, die sich je nach Region in der Welt in Glauben und Tradition natürlich sehr unterschiedlich äußern.

Heidnische Bräuche in der theosophischen Gemeinschaft

Und man mag sich fragen, was nun ein Theosoph so wichtig daran findet, hat der denn nicht seine eigenen Glauben?

Theosophen haben (noch) keine eigene Tradition entwickelt, weil es bspw. auch in den verschiedenen großen Religionen immer auch theosophische Bestrebungen gab oder noch viel wichtiger, da die moderne Theosophie nach Madame Blavatsky erst seit 120 Jahren in ihrer Form das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat und sie sich nicht als herkömmliche Religion versteht.

Es geht also nicht um die Übernahme des alten heidnischen Glaubens. Theosophie hat natürlich einen eigenen Glauben, auch wenn er sich zu Teilen in vielen Religionen findet lässt, was ja nur logisch ist, wenn es sich dabei um die Umrisse der Ur-Religion handelt. Zudem glauben Theosophen genauso wenig an einen persönlichen Gott Odin, wie an einen persönlichen Gott Jehova, den Theosophen sind Pantheisten, man könnte auch sagen monistische Pantheisten. Aber auch der Götterglaube und die Mythologie der heidnischen Naturreligion in Mittel-Europa hat Anteil an der Wahrhaftigkeit, wie alle Religionen. Zudem wurden auch die heidnischen Traditionen ursprünglich gelehrt von den Weisen, die die Religionen und Bräuche unter allen Völkern verbreiteten.

Die heidnischen Bräuche finden in der theosophischen Gemeinschaft „Söhne des Feuers“ Gebrauch, da die Theosophie bisher also keine solchen Traditionen pflegt und dennoch eine Gemeinschaft unbedingt ein gemeinsames Brauchtum benötigt und so liegt es doch sehr nahe, die heimischen Traditionen zu pflegen, welche vor der Zwangschristianisierung im unserem Lande gelebt wurden. Unsere theosophische Gemeinschaft übernimmt daher als Brauchtum Teile der überlieferten Traditionen, welche in dieser Weltgegend oft mit der germanischen oder der verwandten keltischen Kultur gleichgesetzt werden. Die Traditionen finden jedoch nur Anwendung, wenn sie dem allgemeinen Glauben der Theosophie und den Tugenden bzw. der Vernunft nicht entgegenstehen bzw. mit ihr vereinbar sind, da bspw. ein Opferfest, wie es mitunter verstanden wurde, nicht im Sinne der Theosophie ist. Und es mag auch die ein oder andere sinnvolle Abänderung im Lichte der Theosophie geben.

Das Brauchtum der heidnischen Naturreligion

Zuersteinmal muss man sich klar werden, dass es nicht die heidnische Naturreligion oder Tradition gibt und wohl auch nicht gab, denn die Religionen waren von Volk zu Volk oder Stamm zu Stamm leicht verschieden und so auch mit den Bräuchen. Hinzu kommt, dass das, was uns überliefert wurde, wirklich sehr bruchstückhaft ist, insbesondere wenn es um Details geht. Alles was also heute dazu gefunden werden kann ist mehr oder weniger ein Mix aus Überresten keltischer, germanischer oder anderer europäischre Völker Traditionen oder ein Mix, der schon einen gewissen kirchlichen Einfluss hat oder es ist gänzlich der Fantasie der Neuzeit zuzurechnen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der schönste Besonderheit der Spiritualität unserer Vorfahren die Tatsache war, dass sie eine Naturreligion lebten und deshalb mit der Natur regelrecht verwachsen waren und vor allem die Natur als Ausdruck ihrer Götter betrachteten. Und sie hatten viele Götter, wie fast jede Religion, denn der Monotheismus ist eine der jüngsten Erscheinungen, und was die Zahl der Religionen angeht, auch eine verschwindend geringe Randerscheinung.

Unsere Vorfahren dachten zudem wie die Theosophen zyklisch, erkannten sie doch in der Natur das beständige Entstehen, Werden und Vergehen. Und so fanden ihre Traditionen in zwei Kreisen Ausdruck, da der Kreis ein schönes Bild für einen Zyklus ist, wenn man ihn als Zeitgerade sieht, die sich selbst schließt und somit einen Kreis oder Zyklus bildet. Diese zwei Kreise waren der Lebenskreis und der Jahreskreis. Und diese traditionellen Feste beziehen sich immer auf Feierlichkeiten in der Gemeinschaft, früher der Dorf- bzw. Sippengemeinschaft und sind daher auch darauf ausgerichtet. In den weiteren Teilen dieser Serie soll es um eine kurze Beschreibung der einzelnen Stationen des Jahres- und Lebenskreis unserer Vorfahren gehen, d. h. wie diese gefeiert wurden. Einen kleinen Vorgeschmack gab es ja bereits im Rahmen des vorweihnachtlichen Blogeintrags bezüglich des sogenannten Julfestes.

Was nun die Grundeinstellung unserer heidnischen Vorfahren anging, also deren Werte, lässt sich folgendes ermitteln, natürlich ohne Garantie der Vollständigkeit:

  • Sie waren durchdrungen vom höchsten Respekt gegenüber der ganzen Natur, war sie ihnen doch Ausdruck des Göttlichen
  • Frieden war ihnen das höchste Gut, keiner kränkte den Anderen, auch wenn er bspw. den Mörder seines Vaters vor sich sah
  • Geld und Luxus wurden sehr gering geachtet und waren ohne Wert
  • Beim Gastrecht wurde in der Art und Weise der sehr herzlichen Behandlung nicht unterschieden zwischen fremd oder befreundet
  • Man glaubte, dass etwas heiliges und prophetisches in den Frauen sei, man achtete daher ihre Ratschläge und verschmähte nicht ihren Bescheid
  • Geschlechtsverkehr vor dem zwanzigsten Lebensjahr war eine große Schande (Stichwort Enthaltsamkeit), die wohl nur noch vom Ehebruch übertroffen wurde
  • Das Schicksal wurde als unabwendbar geachtet und die Sittlichkeit war die höchste Tugend nach dem Mut und der Tapferkeit.

Wie ich finde hört sich das durchaus sehr vernünftig an, wie auch die folgende Erkenntnis von Jakob Grimm:

Wir, unserer eigenen Vorzeit fremd geworden, können nur täppisch versuchen, das neue mit dem Alten zu verknüpfen

In diesem Sinne wünsche ich mir von allen Heiden, d. h. hier Nicht-Christen, eine Besinnung auf unsere nicht-christlichen, d. h. nicht-kirchlichen Wurzeln und neben der Vernunftwerdung auch ein Wiederbeleben alter vorkirchlicher Tradtitionen, wozu ich mit dieser Serie einen kleinen Beitrag leisten möchte und das ganz unabhängig davon, ob man sich nun mit den theosophischen Lehren identifiziert oder nicht.

 

Dies ist der erste Teil einer dreiteiligen Serie zum Heidentum. Teil zwei beschäftigt sich mit dem Lebenskreis und Teil drei mit dem Jahreskreis.

 

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