Die Familie im historischen Kontext II: der Wandel der Famile

Der Wandel der natürlichen Familie zog sich über tausende von Jahren hin und viele Einflüsse sind dafür verantwortlich, dass sie in dieser Zeit immer mehr schrumpfte und heute letztlich vor ihrer vollkommene Auflösung steht.
Vorsicht Kinder

Vorsicht Kinder! (Bild: Steven Otto)

Vom Altertum zur Postmoderne: die Familie im historischen Kontext

Teil 2 von 3

Der Wandel: Zerfall der natürlichen Familie als Fortschritt
 
Der Beginn des Wandels kann festgemacht werden mit dem Einzug einer fremden Religion (Römische Kirche) in Mitteleuropa. Und mit dieser fremden Religion kam auch ein fremdes Staatswesen (Römisches Reich). Die einst freien Familien, die auf ihrem freien Land lebten, mussten sich rasch außerfamiliären Strukturen unterordnen. Die Stammes- und Sippenstrukturen wurden ersetzt durch staatsähnliche Strukturen privilegierter Schichten und bisher unbekannte Abhängikeiten wurden geschaffen. Die übergeordnete Gesetzgebung (bspw. Erbrecht), die Kirche (bspw. Heiratsvorschriften), die andauernden Kriege, Ausbeutung, langsam einsetzende Verstädterung, Dezimierung durch Krankheiten usw. sind zweifelsfrei einige Ursachen, die das historische Grundverständnis von Familie und damit die Familie selbst langsam aber sicher über Jahrhunderte zersetzten. Im Humanismus und der Renaissance setzte sich dieser Wandel fort und mit der Aufklärung beginnt nur noch der große Abbruch der Überreste der natürlichen Familie. Vorreiter wurden hier insbesondere die Städte und das Bürgertum.

Neben den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen erfuhr auch der Begriff der Liebe und Ehe eine bedeutende Wandlung während der Aufklärung, insbesondere durch die Literatur, d. h. den damaligen „Massenmedien“.

Die herkömmliche Ehe war keine Liebes- sondern eine Vernunftehe. Im Mittelalter hatte Liebe und Ehe nichts miteinander zu tun. Das Erbe oder der Hof ging vor die Liebesheirat. Nur der Erb- oder Besitzlose konnte unbedingt aus Liebe heiraten, da er keine höhere Verantwortung gegenüber einer Familie bzw. dem Familien-Erbe hatte. Das Erbe oder der Hof sicherte das unabhängige Überleben der Familie und diese Unabhängigkeit wollte man natürlich nicht aufs Spiel setzen. Erst in der bürgerlichen Familie wurde die Liebe zum Kern der Ehe.

Aber so eine Vernunftehe war mehrheitlich kein Zwang, denn damals herrschte auch ein ganz anderer Liebesbegriff vor. Man verstand generell unter Liebe vielmehr ein großes Ideal, die Liebe im Sinne von Fürsorge, d. h. die opferbereite, hingebende, reine und andauernde Liebe, getrieben allein von höheren Motiven. Heute herrschen indessen die niederen Motive vor und Liebe wird nicht selten mit rein körperliche Liebe und Leidenschaft verwechselt, eine schnell vergängliche, egoistische Liebe. Heute soll die Ehe die Liebe vollenden, seit je her war es aber genau umgekehrt, da konnte, musste aber nicht, die Liebe die Ehe vollenden.

Die vorangetriebene Individualisierung und Proletarisierung breiter Bevölkerungsschichten wirkten äußerst verheerend auf die Familie. Die in der Aufklärung geforderte Freiheit des Individuums wurde bis heute zum blanken Individualismus sprich puren Egoismus. Wenn sich aber das Individuum über die Familie stellt, dann wirkt dies immer familienzerstörend, denn jedes Individuum als Teil der Familie muss sich der Familie unterordnen, wenn eine Familie Bestand haben und funktionieren soll, so auch in der Ehe. Und als die Frau gezwungen wurde arbeiten zu gehen, damit die Familie überhaupt überleben kann, wurde der Beginn des endgültigen Endes der Familie eingeläutet.

Hinzu kommt ebenso ein Umstand, den uns klar und deutlich die Geschichte lehrt. Mit steigendem Wohlstand kam es immer zu einem Verfall der Sitten und auch zu einem Verfall der Werte und Traditionen, worunter natürlich auch die Familie und deren Zusammenhalt sehr stark leiden muss. Wenn die Familie letztlich ihren eigentlichen aber heute fast unbekannten Sinn und Zweck  (wirtschaftliche, soziale und rechtliche Absicherung) nicht mehr erfüllen kann oder muss, dann ist Familie eine rein freiwillige Angelegenheit, die je nach Erziehung oder innerem Antrieb wichtig erscheint oder auch nicht. Wie gut an dieser materialsitischen Gesellschaft zu erkennen ist, können Traditionen, Sitte und Moral innerhalb weniger Generationen vollkommen verloren gehen.

Und heute versteht man unter Familie die „Kernfamilie“, d. h. Vater, Mutter und Kind und nicht selten bereits die nächste Stufe der „Familie“, die postmoderne Familie, in der die Geschlechterrollen ebenso aufgehoben sind wie die festen Strukturen selbst innerhalb der rudimentären Kernfamilie. Und das alles wird auch möglich, in dem der Verfall der Sitte, Moral und Tradition als das Aufbrechen verkrusteter, alter Strukturen und die Befreiung von Zwängen (bspw. Erziehung) betrachtet wird oder anders gesagt, der Verfall als Fortschritt proklamiert wird.

Die natürlichen Familien, um die es in Teil 1 ging, heute sogenannte Großfamilien, sind ein regelrechtes Bollwerk gegen jegliche widrige, äußere Umstände. Ein Fakt, der in den bevorstehenden Zeiten sehr schnell auch von Mittel-Europäern wiedererkannt werden wird.

Wenn Frauen, die auf ihrer besonderen Wesenheit gegründete traditionelle Aufgabe und natürliche Rolle als niederwertig und unsägliche Unterdrückung empfindet, von der sie sich mit aller Macht und Konsequenz befreien muss, dann ist der Abbruch der Familie vollendet. Und die sehr zentrale und wichtige Rolle der Frau für die Familie wird im letzten und 3. Teil dieser Serie beleuchtet.

 

Verschlagwortung: 

Inhalte-Empfehlungen

Sensation: Modern physics proves theosophical cosmology!
Do you ever heard of the electric universe, the electric sun or stars, of plasma physics or plasma cosmology? No? But as a Theosophist, you heard...
Die Familie im historischen Kontext I: die natürliche Famile
Vom Altertum zur Postmoderne: die Familie im historischen Kontext Teil 1 von 3 Die Frühzeit: natürlich gewachsene Strukturen Das frü...
Die Tugenden: wahre Liebe
Ich habe es ja schon des Öfteren im Rahmen des ein oder anderen Beitrages angeschnitten, was ich unter wahrer Liebe verstehe, bspw. im Artikel Falsch...
Die Edikte des König Asoka
König Asoka war ein Herrscher der altindischen Dynastie der Maurya. Er regierte von 268 bis 232 v. Chr. und war ein Enkel des Dynastiegrü...
Buchtipp
Im Labyrinth des Unerklärlichen
Klaus Dona und Reinhard Habeck haben mit diesem Buch eine wirklich beeindruckende Sammlung archäologischer Fundstücke zusammengestellt, die...
Projekt
Theosopische Bibliothek
Es geht bei diesem Projekt um das Zusammentragen folgender Literatur: In der Geheimlehre genannte oder empfohlene Literatur Veröffentlichungen von...
Projekt
Recherche theosophischer Vereinigungen
Dies ist soweit geschehen. Eine Übersicht findet sich hier: Theosophische Organisationen Es geht bei diesem Projekt um eine grundlegende und...

Um am Forum teilnehmen bzw. Inhalte kommentieren zu können musst Du Dich anmelden oder registrieren.

Bitte beachten

Diese Webpräsenz widmet sich dem Thema Theosophie (insbesondere im Rahmen der Geheimlehre von Madame Helena Petrovna Blavatsky) und ist zum Zweck der Bildung einer Theosophischen Gemeinschaft ins Leben gerufen worden. Hier finden sich zudem ein Theosophie-Forum und aktuelle Inhalte rund um das Thema Theosophie bzw. Tugenden und die Vernunftwerdung. Bei der Veröffentlichung von eigenen Inhalten beachte bitte einige Hinweise.

On this site you can also find an international theosophy section and the quarterly "International Theosophy World News"-Newsletter.