Der innere Kampf um das geistige Überleben - Teil 3: Tipps für den Weg

In dieser dreiteiligen Artikelserie geht es um die Verwirklichung des übergeordneten Sinn des Lebens, der eigenen geistigen Entwicklung.
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Die Zeit läuft... abgerechnet wird am Ende des Lebens. Wer ein mehr geistiges (tugendhaftes) Leben führte, für den wird der Tod die Geburt in das geistige Leben sein, wer ein mehr materielles (untugendhaftes) Leben führte, der wird nach dem körperlichen Tod mit der Materie vergehen. (Steven Otto)

Im ersten Teil der Serie ging es um die Vernunftwerdung oder Charakterveredelung an und für sich. Wer den Artikel noch nicht gelsen hat, sollte das unbedingt hier nachholen, bevor er weiterliest. Im zweiten Teil ging es um den Kampf ums geistige Überleben und auch diesen Artikel sollte man vorab gelesen haben. Im dritten und letzten Teil der Serie geht nun noch um ein paar Tipps für den Weg. mitunter recht philosophisch und die zumeist von Madame Blavatsky stammen (aus ihrem Büchlein "Praktischer Okkultismus"):

Man soll zeitig aufstehen und sobald man wach wird auch das Bett verlassen und nicht halb wach bzw. halb schlafend im Bett liegen bleiben. [Und man sollte möglichst auch nicht später als 23 Uhr zu Bett gehen. Nach alter Tradition beginnt das Tageswerk zwischen fünf und sieben Uhr.]

Das Haupterfordernis für Selbsterkenntnis ist reine Liebe. Wer aus reiner Liebe Erkenntnis sucht, dessen Suche wird letztlich durch die Selbsterkenntnis gekrönt werden.

Angesammelte Energie kann nicht vernichtet werden, sie muss in andere Formen übertragen werden oder in andere Formen der Bewegung transformiert werden. (…) Es ist nutzlos, einer Leidenschaft widerstehen zu wollen, die wir nicht beherrschen können. (…)  Um sie zu beherrschen muss man sie in ein anderes höheres Strombett leiten. (…) Laster kann in Tugend verwandelt werden, in dem man das Objekt wechselt [bspw. ein neues Hobby]. Die Leidenschaft ist blind, sie bewegt sich dorthin wohin sie gelenkt wird und die Vernunft ist ein sichererer Führer für sie als der Instinkt. (…) Wir sollten daher nicht versuchen, das Niedere zu zerstören, ohne etwas anderes an seinen Platz zu stellen, wir sollten vielmehr Niederes durch Höheres ersetzen, Laster durch Tugend, Aberglauben durch Wissen.

Das beste Heilmittel gegen ein Übel ist (…) unser Denken beständig in göttliche Dinge zu tauchen. Das Wissen des höheren Selbst wird uns weggenommen, wenn wir unserem Verstand gestatten, über jenen Dingen zu brüten oder mit Gefallen bei ihnen zu verweilen, die den ungebändigten Sinnen entsprechen.

Das Denken bedarf jedesmal einer Reinigung, wenn man Zorn gefühlt oder eine Unwahrheit gesagt hat, oder wenn man die Fehler eines anderen ohne Not enthüllt hat, jedesmal, wenn man etwas nur aus Schmeichelei gesagt oder getan hat, oder wenn man jemanden durch Unaufrichtigkeit in Wort oder Tat getäuscht hat. Wer nach Erlösung strebt, sollte Sinnenlust, Zorn und Gier meiden, er sollte sich eines mutigen Gehorsams gegenüber den heiligen Schriften befleißigen, das Studium spiritueller Philosophie pflegen und Ausdauer in ihrer praktischen Verwirklichung erlangen [d. h. Charakterveredelung bzw. vernünftig leben].

Es kann keine bleibende Ruhe und kein bleibendes Glück geben, solange Arbeit ungetan ist; die Erfüllung der Pflicht trägt ihren Lohn in sich. Setze deine guten Absichten [Eingebungen des Gewissens, d.i. die Seele] stets ohne Verzögerung in die Tat um und gestatte keiner einzigen, ein bloßer Vorsatz zu bleiben. Unser einziges rechtes Verhalten ist aber, die Tat selbst den Beweggrund zur Tat bilden zu lassen und nicht ihren Lohn, uns nicht durch die Hoffnung auf ihre Früchte zu einer Tat anspornen zu lassen und nicht einer Neigung zur Trägheit nachzugeben.

Wahres Gebet bedeutet, alle heiligen Dinge betrachten und über sie nachdenken und sie auf uns, auf unser alltägliches Leben und Tun anwenden und dabei den innigen starken Wunsch haben, ihren Einfluß stärker und unser Leben besser und edler zu machen, damit uns etwas Erkenntnis über sie zuteil werde. Alle solche Gedanken müssen enge verwoben sein mit einem inneren Wissen um das Höchste Göttliche Sein, dem alle Dinge entsprungen sind.

Traurigkeit ist nichts Böses. Aber klage nicht; scheinbare Leiden und Hindernisse sind oft in Wirklichkeit nur die geheimnisvollen Bemühungen der Natur, dir in deiner Arbeit zu helfen, du mußt dich ihnen gegenüber nur richtig verhalten. Was du vermeiden sollst, sind jene Leiden, die noch nicht gekommen sind. Die Vergangenheit kann nicht verändert oder verbessert werden; was zu den Erfahrungen der Gegenwart gehört, kann und soll nicht gemieden werden. Was aber gemieden werden soll, das sind in gleicher Weise einerseits beunruhigende Vorwegnahmen und Sorgen vor der Zukunft und andererseits alle Handlungen und Gemütsregungen, die dir selbst oder anderen künftiges Leid verursachen könnten.

Die Möglichkeiten zu noch weiterem Fortschritt und das Erkennen noch höherer Daseinsebenen, die sich vor ihm eröffnen, werden seinen Eifer nicht dämpfen, aber alle Eitelkeit werden sie in ihm sicherlich ertöten. Gerade diese Erkenntnis der ungeheuren Möglichkeiten im Leben des Menschen ist aber auch notwendig, um ihn aus seinem Gelangweilt sein aufzuwecken und seine Apathie in waches Interesse zu verwandeln. Sobald das Ziel des Lebens klar wird und seine wunderbaren Möglichkeiten gewürdigt werden, wird das Leben so um seiner selbst willen lebenswert.

Der direkteste und sicherste Weg zum Erreichen dieser höheren Ebene ist die Pflege des Grundsatzes der Selbstlosigkeit, sowohl im Denken als auch im Leben. Eng fürwahr ist der Spielraum einer Schau, die sich nur auf das eigene Ich begrenzt und alle Dinge nach dem Grundsatz des Eigennutzes mißt, denn solange die Seele so ich-begrenzt ist, ist es für sie unmöglich, irgendein erhabenes Ideal zu erfassen oder sich einer höheren Daseinsebene zu nähern.

Wenn wir glauben, daß der Zweck des Lebens bloß darin liegt, unser materielles Ich zufrieden zu stellen und es ihm behaglich zu machen, wenn wir glauben, daß materieller Wohlstand das höchste Maß möglichen Glückes verleiht, dann verwechseln wir Hohes mit Niedrigem und halten eine Täuschung für Wahrheit. Unsere materielle Lebensweise ist eine Folge der materiellen Zusammensetzung unserer Körper.

Je tiefer wir in das Materielle versinken, desto mehr materielle Hilfsmittel benötigen wir zu unserer Bequemlichkeit; das Wesentliche, der machtvolle Gott im Menschen jedoch ist nichts Materielles, er ist unabhängig von den Beschränkungen, die dem Stoff auferlegt sind.

Aber alle diese (materiellen) Notwendigkeiten sind nur solche, die der Mensch selbst geschaffen hat. Sie machen den Zustand, in dem der Mensch sich jetzt gerade befindet, für ihn angenehm, und verführen ihn dazu, in diesem Zustand zu verweilen und nichts Höheres zu erstreben. Sie können seine Entwicklung sogar hemmen, statt sie zu fördern. Alles [für ein vernünftiges und kultiviertes Leben unnötige] Materielle muß aufhören, eine Not-wendigkeit für uns zu sein, wenn wir wirklich geistig fortschrei-ten wollen.

Es ist das Begehren nach und die Vergeudung von Gedankenkraft auf die Vermehrung der Freuden des niederen [materiellen, sinnlichen] Lebens, was den Menschen daran hindert, in das höhere Leben einzutreten.

Damit endet diese dreiteilige Serie. Im ersten Teil ging es um die Vernunftwerdung oder Charakterveredelung und im zweiten Teil ging es um den Kampf ums geistige Überleben. Jede Menge weiterer praktischer Tipps zur Verunftwerdung finden sich auf dieser Übersichtsseite.

 

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