Der innere Kampf um das geistige Überleben - Teil 1: Die Vernunftwerdung

In dieser dreiteiligen Artikelserie geht es um die Verwirklichung des übergeordneten Sinn des Lebens: der eigenen geistigen Entwicklung.
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Die Zeit läuft... abgerechnet wird am Ende des Lebens. Wer ein mehr geistiges (tugendhaftes) Leben führte, für den wird der Tod die Geburt in das geistige Leben sein, wer ein mehr materielles (untugendhaftes) Leben führte, der wird nach dem körperlichen Tod mit der Materie vergehen.

Es ist gut an dieser Stelle mindestens einen kleinen Einblick in die theosophischen Lehren getan zu haben, mindestens aber hinsichtlich des Menschen. Zudem ist es gut einen richtigen Blick dafür zu haben, was hier allgemein unter Untugendhaft verstanden wird, bspw. im Rahmen der Schande des Materialismus und auch, was allgemein unter tugendhaft verstanden wird, bspw. über die Beiträge zum Thema Tugenden und Vernunftwerdung.

Die menschliche Seele oder das „Ich“ wird mittels Gedanken-, Gefühls- oder Ideenanstößen etc. von ihrem höheren (höheres Selbst) aber auch von ihrem niederen Prinzip (allgemein der Körper oder das "materielle" Prinzip) beeinflusst. Ideale, geistige oder tugendhafte Regungen werden immer vom höheren, aber sinnliche, sündhafte oder anderweitige untugendhafte Anwandlungen stets vom niederen Prinzip hervorgerufen. Da die menschliche Seele ein selbstbewusstes Wesen mit einem freien Willen ist, so kann sie solcherlei Regungen natürlich auch selbst herbeiführen. Aber ganz egal ob durch innere oder äußere, höhere oder niedere, fremde oder eigene Beeinflussung: Es ist die menschliche Seele, das Ich, das entscheidet, ob aus einer Beeinflussung eine Handlung wird.

Sinn und Zweck der ganzen Natur ist eine geistige Entwicklung. Sinn und Aufgabe der menschlichen Seele ist es, die geistige Entwicklung ihres höheren Prinzips durch das sammeln von Erfahrungen zu ermöglichen. Es können aber nur ideale Erfahrungen in die Ewigkeit der geistigen oder idealen Ebene eingehen und nur solche Erfahrungen können demnach einen geistigen Fortschritt des höheren menschlichen Prinzips ermöglichen. Dadurch das wir also unserem inneren bereits unsterblichen höheren Prinzip in uns bei seiner geistigen Entwicklung helfen, so helfen wir natürlich auch der Natur bei ihrer geistigen Enwicklung, denn unser höheres Selbst ist ja ein Teil der Natur.

Will also die menschliche Seele ihrer natürlichen Aufgabe gerecht werden, dann muss sie dafür Sorge tragen, dass sie als Persönlichkeit oder Mensch ein ideales oder möglichst tugendhaftes Leben führt. Aufgrund der heutigen Lebensumstände und da keine Persönlichkeit aufgrund des allgemein unvollkommenen Entwicklungsstandes der Menschheit eine ideale (oder sehr tugendhafte) Persönlichkeit von Geburt aus ist, so ist die erste und wichtigste Aufgabe der menschlichen Seele die Entwicklung der Persönlichkeit hin zur größtmöglichen Vernunft, d. h. Vernunftwerdung oder Charakterveredelung.

Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Charakterveredelung sind ein wahrhaftiges Welt- und Selbstbild oder entsprechende Wertevorstellungen. Die Motivation der Vernunftwerdung muss der Wunsch sein, ein Helfer der Natur bei ihrer geistigen Entwicklung zu sein und niemals das rein egoistische Verlangen, selbst in die Ewigkeit eingehen zu wollen. Die zum Sieg über die Unvernunft unbedingt notwendige Kraft für diesen Kampf schöpft sich vor allem aus der Entscheidung, sich selbst ganz in den Dienst seines höheren Prinzips zu stellen und somit sein Leben selbstlos nur im Sinne seines höheren Prinzips für eine geistige Entwicklung zu leben oder mit anderen Worten: den übergeordneten Sinn des Lebens zu verwirklichen.

Und das bedeutet in der Summe für den Einzelnen nichts anderes, eine tugendhafte Persönlichkeit zu werden bzw. zu sein und während eines vernünftigen Lebens sinnvolle Erfahrungen zu sammeln. Die richtige Richtung dieses Lebens weisen die eigenen Veranlagungen, das Gewissen, ideale Regungen und Bestrebungen und natürlich die Tugenden.

Neben dem Körper als materielles Werkzeug sind die geistigen Werkzeuge der menschlichen Seele zu ihrer Aufgabenbewältigung Wille und Konzentration. Wille ist die Kraft mit der Ziele verwirklicht werden. Man könnte sie deshalb auch Schöpfungs- oder Entwicklungskraft nennen. Die Willensstärke zeigt an, wie gut Hindernisse auf dem Weg zur Zielerreichung überwunden werden können. Konzentration bezeichnet die Fähigkeit sein Bewusstsein oder Handeln auf etwas zu zentrieren und die Konzentrationsstärke, wie lange man seine Konzentration ohne Unterbrechung auf etwas Bestimmtes richten kann.

Da der Wille eine geistige Kraft ist, wird er durch das Ausleben niederer/materieller/sinnlicher/körperlicher Begierden geschwächt und durch ein vernünftiges oder geistiges sprich tugendhaftes Leben gestärkt. Man stärkt seine Willenskraft außerdem durch ein klar formuliertes Ziel und einer starken Motivation. Ferner ist es hilfreich sich Fristen zu setzen, ab wann man etwas bestimmtes tun oder lassen möchte, einer Gemeinschaft mit gleichwertigen Zielen beizutreten, durch das erfolgreiche hinauszögern der Erfüllung oder das Versagen von Wünschen und durch bereits erreichte Erfolge/Erfahrungen hinsichtlich ähnlicher Handlungen. Ein sehr sicherer Garant zur Stärkung eines spezifischen Willens ist die Gewohnheit.

Der Konzentration förderlich sind Gesundheit, Ausgeglichenheit, Ruhe, Geduld bei Hindernissen und, wie auch bei der Stärkung der Willenskraft, eine starke Motivation oder großes Interesse, ein klares Ziel, bereits gemachte erfolgreiche Erfahrungen und die Gewohnheit oder Übung durch praktische Anwendung.

Dies ist das nötige Verständnis und Rüstzeug, um gut vorbereitet den inneren Kampf für sein geistiges Überleben aufzunehmen. Und um den Kampf selbst geht es im zweiten Teil der Serie.

 

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