Alle Jahre wieder...

Weihnachten steht vor der Tür, eine Zeit voller Traditionen. Die Traditionen unsere vorkirchlichen Vorfahren waren jedoch um einiges vernünftiger, wie ich finde.
Weihnachstzeit

Was macht die Weihnachtszeit zur Weihnachtszeit? (Bild: Steven Otto)

Ich möchte erstmal einen Zweizeiler zum Besten geben, der mir in den Sinn kam, als ich begann, diesen Artikel zu schreiben:

Alles Jahre wieder, blutet die Natur,
für das menschliche Gefieder, warum tust du das nur?

Wie ich darauf komme? Zuerst einmal der Weihnachstbaum. Eine Tradition, die im Mittelalter entstanden ist. Unsere Vorfahren, die noch ihre angestammte Naturreligion und deren Traditionen lebten, feierten natürlich das Original des Weihnachtsfestes, bevor es sich die Kirche später zu ihrem Wohl einverleibte und umgestaltete. Und das man zu diesen Zeiten noch sehr viel vernünftiger war als heute, zeigt bspw. die uralte Tradition zu jenen Zeiten, sich als Symbol der immer lebendigen Natur ein paar grüne Tannenzweige ins Haus zu holen. Heute begnügt man sich nicht mehr tugendhaft maß haltend mit ein paar grünen Zweigen, nein, es muss schon ein ganzer Baum sein! Millionen Bäume werden abgeholzt nur, damit sie ein oder zwei Wochen die gute Stube schmücken. Dann wirft man sie bestenfalls auf den Kompost, in den Müll oder einfach auf die Straße. Ist das nicht eine unsägliche Verschwendung natürlicher Ressorucen?

Man stelle sich mal folgende Dialog vor:

Kind: "Mutti? Warum haben wir keinen Weihnachtsbaum."
Mutter: "Komm mal her mein Schatz, lass Dich mal ganz fest drücken... sieh mal, so ein Baum, der lebt doch in der Natur, und der ist doch noch ganz klein, sozusagen ein Baumkind oder nicht?"
Kind: "Ja."
Mutter: "Und nun kommt Weihnachten und dann wird das Baumkind von seiner Mutter getrennt, von unser aller Mutter Natur, er wird einfach abgesägt und beginnt zu sterben."
Kind: "Oh nein..."
Mutter: "Siehst Du...  Mutter Natur weint und wir stellen uns das sterbende Baumkind in die Wohnung und scmücken es und freuen uns wie toll es aussieht und wenn es dann gestorben ist, dann werfen wir es einfach weg. So wollen wir nicht sein oder?"
Kind: (Das Kind fängt an zu schluchzen und umarmt seine Mutter ganz fest) "Ja Mutti, lassen wir ihn leben..."

Zum andern: Ich habe ja bereits im Rahmen der Schande des Materialismus auf selbige hingewiesen. Ich möchte nicht wirklich schon wieder über Süßigkeiten sprechen, fest steht, auch das ist eine sehr große Verschwendung natürlicher Ressourcen. Gerade um die Weihnachtszeit blutet die Natur in einem ungeheuerlichen Ausmaß und natürlich auch zu Silvester, wenn natürliche Ressourcen in riesigen Mengen im wahrsten Sinne des Wortes verpulvert werden, um ein paar höchst vergängliche Sinnesfreuden zu erzeugen und all das nicht selten begleitet vom obligatorischen, aber deshalb nicht weniger unvernünftigen und verschwenderischen Alkoholkonsum.

Was ist los mit uns? Brauchen wir all das, um diese schöne Zeit gebührend zu feiern, bspw. so, wie es unsere in dieser Hinsicht vernünftigeren Vorfahren taten? Damals war es ein Fest der Familie, das Julfest, was gefeiert wurde. Heute denkt man beim Julfest auch an die Nazizeit, denn in dieser Zeit wurden die alten Bräuche unserer Vorfahren missbraucht. Ihr Ursprung liegt natürlich viel, viel weiter in der Vergangenheit, als Nazihorror noch unbekannt war. Ich persönlich stehe zu den Traditionen meiner Vorfahren, auch wenn sie leider für eine menschenverachtende Ideologie instrumentalisiert wurden.

Das Julfest begann immer mit dem astronomischen Ereignis der Wintersonnenwende, die dieses Jahr (2013) am 21.12. stattindet. Ab diesem Tag werden die Nächte wieder kürzer und die Tage länger: die Wiedergeburt des Sonnengottes kündigt sich an. Nach einem arbeitsreichen Jahr der Selbstversorgung war nun endlich auch das letzte Korn gedroschen und die 12 Rauhnächte oder Weihnächte begannen. Sie haben ihren Namen aus einer gewissen Heiligkeit heraus, die seit je her mit diesen geweihten Nächten, der Übergangszeit zwischen den Jahren, verbunden wurde. Und es war die einzige Zeit des Jahres, während der (fast) nicht gearbeitet wurde und die man ganz und gar mit der Familie verbrachte. Haus und Stallungen wurden mit Wachholder ausgeräuchert, man flechtete sich einen kleinen Julkranz aus Tannenzweigen für die Tür und brachte ein paar immergrüne Zweige ins Haus. Man verbrachte zusammen unbeschwerte und schöne Winterwochen, man sang, spielte und freute sich miteinander und all das ohne Tannenbaum und ohne Geschenkeflut und ohne Völlerei, dafür aber mit viel Natürlichkeit und wahrer Liebe, d. h. selbstloser, hingebungsvoller Fürsorge.

In der 12. Weihnacht endete dieses heilige Fest der Familie in der Nacht zum 02. oder 03.01. (je nach Zeitpunkt der Wintersonnenwende) mit dem Julfeuer. Zuvor wurden symbolisch die Herdfeuer in der ganzen Gemeinde gelöscht. Mit einem brennenden Ast/Stock/Scheit den man am Julfeuer entzündete und von dort mit nach Hause nahm, wurde das eigene Herdfeuer wieder entzündet, ein heiliger, symbolischer Akt. Denn das niemals verlöschende Feuer war das Symbol des (ursprünglich pantheistischen) Gottes: am Himmel die Sonne, für die Familie das Herdfeuer und für uns Menschen - das Herz: Licht, Wärme, Liebe und Leben. Die Asche des Julfeuers war ebenso heilig und wurde im Frühjahr auf die Felder ausgebracht, manchmal mit Samen durchsetzt, natürlich auch, weil Asche an und für sich ein sehr guter Dünger ist.

Das ist sicher nur ein kleiner Einblick in die Tradtionen unser Vorfahren und leider wurde uns nur sehr wenig überliefert. Aber das Wenige was uns bekannt ist, zeigt besonders den familiären Charakter des Julffestes. Nur darum sollte es uns gehen: Familie und wahre Liebe! Und dabei sollte es m.E. möglichst natürlich und möglichst vernünftig zugehen und das hieße auch, mit den unvernünftigen Traditionen zu brechen und sie durch vernünftigere zu ersetzen, sich stark und bestimmt den Zwängen der Unvernunft zu entziehen. Und immer mehr Menschen wenden sich auch ab vom weihnachtlichen Konsum- und Verschwendungszwang, wohl weil ihre Herzen ihnen sagen, dass das weder für Mutter Natur, noch für diese Gesellschaft noch für uns selbst, weder körperlich, noch seelisch noch geistig wirklich gut ist.

In diesem Sinne wünsche ich schonmal vernünftige und liebevolle 12 Weihnächte im Kreise einer hoffentlich gesunden und heiteren Famile :)

 

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